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University of Freiburg

Die Skulptur in Troyes und in der südlichen Champagne zwischen 1480 und 1540 : stilkritische Beobachtungen zum Meister von Chaource und seinem Umkreis

Abstract

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Im Zentrum des Themas stehen die zwischen 1480 und 1540 in den Bildhauerwerkstätten von Troyes und der südlichen Champagne entstandenen Skulpturen. Keine andere Region Frankreichs hat im Zeitraum zwischen dem späten 15. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, betrachtet man den Bestand der heute noch erhaltenen Skulpturen und ihre künstlerische Qualität – die meisten Werke sind in Stein gearbeitet und weisen eine gut erhaltene ursprüngliche Farbigkeit auf -, eine reichere Produktion von Skulpturen hervorgebracht. Die Skulptur in der südlichen Champagne erlebte ihre Blüte zu einer Zeit, als die benachbarten Regionen Lothringen, Burgund und die Ile-de-France den Höhepunkt in der Bildhauerkunst bereits überschritten hatten. Möglich wurde dies nicht zuletzt durch die wirtschaftliche Prosperität von Troyes, die sich auf ihre günstige Lage am Schnittpunkt mehrerer wichtiger Handelswege zwischen den Niederländen, Südfrankreich und Italien gründete. Bruderschaften und zu Reichtum gelangte Bürgerfamilien gehörten neben der Kirche und den Klöstern zu den wichtigsten Auftraggebern, die – so scheint es heute – in ihren Stiftungen um die religiöse und künstlerische Ausstattung der Kirchen, Stadtpaläste und Klöster wetteiferten. Zudem gelang es den Bildhauern und ihren Ateliers, ähnlich wie den Malern und Glasmalern, eigene regionale Stilformen sowie ikonographische Typen zu etablieren und bis in die dreißiger Jahre des 16. Jahrhunderts zu bewahren und fortzuentwickeln. Besonders zahlreich vertreten sind die Sujets der Passion Christi, wie die Pietà, Christus im Elend und der Ecce Homo, die Grablegung, Kreuzigungsgruppen sowie mehrere Passionsretabel, deren ikonographische Grundtypen vielfältig ausgestaltet werden. So werden die Momente der Passion in Gestik und Mimik verschieden umgesetzt, mal durch expressive Betonung des Leidens, mal durch die Darstellung stiller verhaltener Trauer. Andere dominierende Themen sind Darstellungen der Maria mit Kind mit Rosenzweig, Traube oder Vogel, die Erziehung Mariens sowie einzelne Heilige, die in der Region verehrt wurden, wie z. B. die hl. Syra oder der hl. Rochus. Im Zentrum dieser regionalen Bildhauerkunst steht um 1510 bis 1530 der Meister von Chaource, der nach der 1515 entstanden, fast lebensgroßen Grablegungsgruppe in Chaource benannt ist. Die stilkritische Untersuchung des erhaltenen Skulpturenbestandes, deren wichtigste Werke in den Katalog dieser Arbeit aufgenommen sind und der mit seinen 329 Einträgen und nahezu 400 Abbildungen den bisher ausführlichsten – aber bei weitem nicht vollständigen - Corpus der südchampagnesken Skulptur dieser Zeit darstellt, will die typenprägende Bedeutung dieses Bildhauers für die Skulpturen der anderen Bildhauerwerkstätten nachweisen. Anders als der kritische Teil der Arbeit, der sich auf das Schaffen des Meisters von Chaource konzentriert, gibt der Skulpturenkatalog weit darüber hinausgehend Einblick in das Œuvre anderer wichtiger Künstler, wie der Werkstatt von Saint-Léger, dem Meister von Rigny-le-Ferron und der Werkstatt von Vendeuvre-sur-Barse, jeweils benannt nach Hauptwerken an diesen Orten, denen ganze Gruppen von Skulpturen zugeordnet werden können. Leider ist es bisher nur in wenigen Ausnahmen gelungen, die in den Quellen genannten Bildhauer als Schöpfer heute noch erhaltener Skulpturen zu benennen. Mit Nicolas Halins, seiner nachgewiesenen Arbeiten für die Portalskulptur der Westfassade der Kathedrale von Troyes und fast lebensgroßer Statuen, die vermutlich von dort stammen und sich heute in einer Kirche in der Nähe von Troyes befinden, unternimmt der Verfasser den Versuch, ihn mit dem Meister von Chaource zu identifizieren. Die beiden datierten Hauptwerke, die Grablegung in Chaource (1515) und die Grabtragung in Villeneuve-l’Archevêque (1528), geben einerseits einen chronologischen Anhaltspunkt für das Œuvre des Meisters und seiner Werkstatt. Andererseits lassen sie stilistische Merkmale erkennen, die die Grundlage für weitere Zuschreibungen liefern. Die Figuren der hl. Martha in Troyes, die Pietà in Bayel und die Beweinung in Troyes (Kat. 262, 31 und 258) sind weitere Hauptwerke der früheren Zeit, während die beiden Apostelstatuen in Saint-Pouange und die beiden Ecce Homo-Figuren in der Kathedrale von Troyes und in Saint-Julien-les-Villas der mittleren Schaffensphase angehören. Der Verfasser schreibt dem Bildhauer und seiner Werkstatt außerdem einige wichtige, bisher wenig beachtete Werke zu und kann damit das künstlerische Schaffen und seine Bedeutung für die Skulptur im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts neu bestimmen. Die Entdeckung und Zuschreibung mehrerer, bisher von der Forschung unberücksichtigrer Hauptwerke, wie die beiden Johannesstatuen in der Chapelle des Annonciades in Langres (Kat. 109-110), die zum Spätwerk zu rechnen sind, werfen ein neues Licht auf das Gesamtwerk des Meisters von Chaource.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Arnhold, Heinz-Hermann
Contributors dc:contributor
  • Schlink, Wilhelm

Subjects

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2026-07-24
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Arnhold, Heinz-Hermann. Die Skulptur in Troyes und in der südlichen Champagne zwischen 1480 und 1540 : stilkritische Beobachtungen zum Meister von Chaource und seinem Umkreis. https://freidok.uni-freiburg.de/data/1305