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University of Freiburg

Eine Untersuchung zu Giovanni Battista Piranesis Carceri : die im Architekturcapriccio verborgene Kunstkritik

Abstract

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Die Carceri gelten heute als das bekannteste und eigentümlichste Werk des venezianischen Künstlers Giovanni Battista Piranesi (1720-1778). Mit 16 Blättern stellen die Carceri diverse Ansichten von vermeintlichen Gefängnissen dar. Die Verfremdung von Räumlichkeit, die unlogische Zusammensetzung von architektonischen Elementen und Befindlichkeit in diesen verrückten Räumen der Carceri interessierten schon bald nach ihrer Entstehung viele Rezipienten, Literaten, Historiker und nicht zuletzt Kunsthistoriker. Im Vergleich zu den bisherigen Forschungen, die sich auf die räumliche Ambiguität der Carceri konzentrierten, werden in meiner Dissertation deren architektonische Motive berücksichtigt. Formen, Typengeschichte und symbolischer Gehalt eines jeden Motivs werden in eingehender Weise nachvollzogen und im historischen Kontext analysiert. Aus der scheinbar willkürlichen Zusammensetzung dieser genannten Komponenten entstanden die Bilder, welche die Intentionen Piranesis überliefern: seine nicht schriftlich fixierte Architekturtheorie und seinen ästhetischen Standpunkt. <br> <br>Zuerst fällt die unkonventionelle Motivwahl auf. Für Carceri bevorzugte Piranesi Bögen, Pfeiler und Treppen statt des klassischen Repertoires von Säule, Gebälk und Giebel. Diese Motive weisen auf eine Abneigung gegenüber der normativen Theorie als auch der damals verbindlichen ästhetischen Orientierung eines neuentdeckten Griechentums hin. Zum zweiten befreite sich Piranesi dank der undogmatischen Verbindung der Motive von dem Lehrgebäude Vitruvs und Palladios, d.h. von Proportion und Symmetrie. Anders gesagt, zerstört seine absichtliche Unlogik die Konvention der Architekturtheorie, und diese Zerstörung setzt den Wiederaufbau nach Piranesis eigenem Gesetz voraus. Außerdem lässt sich zeigen, dass die Motive aus römischen Industriebauten abgeleitet sind. Diese Bauten, die Piranesi während seiner archäologischen Tätigkeit ins Blickfeld gezogen hatte, dienten ihm als Inspirationsquelle, um sich eine alternative Architekturgesinnung und somit neue ästhetische Grundlagen auszubilden. <br> <br>Piranesi verstärkte seine antiklassische Polemik durch seine Ausdrucksweise. Die Begriffe Capriccio und Invenzione dienten Piranesi als Leitgedanken, um Vico und Muratori folgend, das innewohnende historische Gedächtnis hervorzurufen und die verlorene Magnifizenz zurückkehren zu lassen. Der Wiedergewinn der Großartigkeit (Magnificenza) seiner Urahnen, der antiken Römer, war das Ziel von Piranesis Kunst. Zum großartigen Erbe zählte Piranesi die soziale und architektonische Substruktur der Ingenieurbauten. Diese entsprechen seinen ästhetischen Kategorien physikaler Größe, Rauheit des Materials, Dunkelheit und chaotischer Anordnung, wie sie den Carceri immanent sind. Die spielerische Handhabung sowie die geniale Erfindung setzte Piranesi als Antithese der kanonisch orientierten Architekturauffassung und -ästhetik seiner Zeit gegenüber.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Kim, Jung-Rak
Contributors dc:contributor
  • Schlink, Wilhelm

Subjects

dc:subject × 5

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https://freidok.uni-freiburg.de/data/1278
OAI identifier oai:identifier
oai:freidok.uni-freiburg.de:1278

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Last updated
2026-07-24
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Kim, Jung-Rak. Eine Untersuchung zu Giovanni Battista Piranesis Carceri : die im Architekturcapriccio verborgene Kunstkritik. https://freidok.uni-freiburg.de/data/1278