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University of Freiburg

Annotieren von grafischen Darstellungen auf dem Bildschirm

Abstract

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Jeder von uns, der Dokumente liest und schreibt, ist mit Annotieren vertraut. Annotationen sind sehr kurze, oft rudimentäre oder symbolhafte schriftliche Äußerungen oder kleine Zeich-nungen, die jeweils auf eine bestimmte Stelle in einem Dokument bezogen und in das Dokument integriert sind. Wer beispielsweise während des Lesens unterstreicht oder einkreist, Gliederungszahlen, Symbole oder kurze Bemerkungen an den Rand schreibt - der annotiert. Annotieren gehört zu einem aktiven Lesen von Fachtexten dazu und ist ein wesentlicher Grund dafür, warum Dokumente bevorzugt ausgedruckt anstatt am Bildschirm gelesen wer-den. <br>Bei der Durchsicht der Literatur fallen einige Dinge auf. (1) Das Thema Annotationen hat seit Mitte der 90er Jahre zunehmendes Interesse gefunden. Es sind eine ganze Reihe unter-schiedlichster Annotationssysteme (Software und Hardware) für verschiedene Anforderungen entstanden, die ein mehr oder weniger komfortables Annotieren, Verwalten und Verteilen von Annotationen ermöglichen. (2) In den theoretischen Betrachtungen und empirischen Studien erscheint der Begriff Annotation nur in Verbindung mit Lesen: beim Lernen aus Texten und beim Korrekturlesen. (3) Annotieren wird nicht in Verbindung mit Problemlösen oder explizit auf grafische Darstellungen bezogen erwähnt. (4) Der Begriff Annotieren wird uneinheitlich verwendet und die Abgrenzung zum Anfertigen von Notizen bleibt unklar. <br>Mit anderen Worten: Einer vielfältigen und umfangreichen technischen Entwicklung steht eine relativ einseitige sowie wenig systematische theoretische und empirisch-experimentelle Aufarbeitung des Annotierens gegenüber. Es fehlt an theoretischen Überlegungen und empiri-schen Untersuchungen zum Annotieren von grafischen Darstellungen und zum Annotieren beim Problemlösen. <br>In einem ersten Schritt wird daher geklärt, was eigentlich mit guten Gründen als Annotation bezeichnet werden kann. Dabei wird in einer systematischen Aufarbeitung zum einen der Begriff der Annotation gegen den Begriff der Notiz abgegrenzt. Zum anderen wird Annotieren nicht nur im Kontext von Lesen betrachtet, sondern der Blick auf die allgemeine Nutzung externer Ressourcen erweitert. Dabei stellt sich heraus, dass die umfangreiche Literatur zum Problemlösen mit Hilfe externer Ressourcen und Repräsentationen dem Annotationsbegriff sehr eng verwandte Begriffe und eine Reihe von für Annotationen relevante Untersuchungen über Problemlösen in enger Interaktion mit den Ressourcen der Umwelt enthält - nur, dass der Begriff Annotation nicht dafür verwendet wird. <br>Die vorliegende Arbeit hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Befunde über Annotieren aus verschiedenen Forschungsbereichen systematisch aufzuarbeiten. Insbesondere soll die bisherige Definition von Annotieren, die sich auf das Lesen von Dokumenten beim Lernen und Korrekturlesen beschränkt, auf das Annotieren von grafischen Darstellungen insbesondere beim Problemlösen erweitert werden. Ein wichtiger Anknüpfungspunkt sind dabei frühere Arbeiten über die Interaktion mit grafischen externen Repräsentationen. Grundlage für die Erörterung sind kognitionswissenschaftliche Paradigmen, die die enge Verknüpfung menschlichen Handelns und Denkens mit der Umwelt und mit Werkzeugen betonen. <br>Welchen Nutzen Annotieren während des Problemlösens mit grafischen Repräsentationen hat, und welche Rolle dabei interindividuelle Unterschiede spielen, ist bisher kaum untersucht worden. Für computerbasiertes Problemlösen fehlen solche Untersuchungen völlig. Die empirische Untersuchung soll diese Lücke schließen. <br>Eine Bedingung mit freier Annotation (elektronischer Stift mit Grafiktablett, schreiben beliebiger Zeichen/Bemerkungen etc.) und eine Bedingung mit fester symbolischer Annotation (Auswahl von Symbolen per Maus) wurden einer Kontrollbedingung ohne Annotationsmöglichkeit gegenübergestellt. Die Versuchsteilnehmer hatten visuelle Suchaufgaben in einer Baumstruktur (elektronische Schaltkreise) zu bewältigen. Der Versuch wurde als gemischter Speed- und Power-Test durchgeführt. Als Kontrollvariablen wurden die Kapazität des räumlichen Arbeitsgedächtnisses, die Konzentrationsfähigkeit sowie das Studienfach erhoben, als abhängige Variable die Anzahl der korrekten Lösungen. Eine Regressionsanalyse gemäß ALM zeigte eine bessere Leistung in den Experimentalbedingungen. Unerwartet war jedoch, dass Annotieren vor allem den Probanden mit einer höheren Kapazität des räumlichen Ar-beitsgedächtnisses zugute kam. <br>Zurückblickend auf den Theorieteil endet die Arbeit mit einer Diskussion über die Auswahl des am besten geeigneten Annotationswerkzeuges. Diese Diskussion wird aus einer umfassenden Anwendungsperspektive heraus geführt. Dabei werden zwei Schlüsselkonzepte vorgestellt, die einen wesentlichen Einfluss auf die Nützlichkeit eines Werkzeuges haben: die Werkzeugpalette und das Aufgabenuniversum.

Author and committee

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Author dc:creator
  • Riedewald, Sandra
Contributors dc:contributor
  • Strube, Gerhard

Subjects

dc:subject × 6

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https://freidok.uni-freiburg.de/data/1277
OAI identifier oai:identifier
oai:freidok.uni-freiburg.de:1277

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Last updated
2026-07-24
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Riedewald, Sandra. Annotieren von grafischen Darstellungen auf dem Bildschirm. https://freidok.uni-freiburg.de/data/1277