{"id":{"repo_id":"freiburg-diss","oai_identifier":"oai:freidok.uni-freiburg.de:1237"},"canonical_url":"https://search.dev.ndltd.org/etd/freiburg-diss/oai:freidok.uni-freiburg.de:1237","repository":{"repo_id":"freiburg-diss","name":"University of Freiburg","base_url":"https://freidok.uni-freiburg.de/oai/oai2.php"},"display":{"title":"Aspekte der Schriftsprachverarbeitung und der Einfluss von Strategien : eine empirische Untersuchung zum Deutschen und Japanischen","abstract":"Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Schriftsprachverarbeitung im Deutschen und Japanischen und also mit Verarbeitungsunterschieden bei verschiedener graphischer Präsentation. In verschiedenen Tests wird jeweils eine Gruppe japanisch-deutscher und deutsch-japanischer Bilingualer untersucht. Der spezifische Fokus richtet sich dabei auf die Leistungen bei komplexen Leseaufgaben und auf Lernen am Beispiel einer Lernaufgabe mit Pseudowörtern. Die festgestellten Unterschiede bei den Testleistungen werden im Hinblick auf Arbeitsgedächtniskapazität und den Einfluss von Strategien diskutiert. <br>Im Hintergrund steht die Frage, inwieweit sich gängige Konzeptionen des AG (Baddeley & Hitch 1974, erweitert durch Baddeley 2000; Daneman & Carpenter 1980 u. 1983) mit den Untersuchungsergebnissen vereinbaren lassen. Konkreter geht es darum, ob Nachweise individueller AG-Kapazitätsunterschiede einerseits (Just & Carpenter 1992) und des Einflusses erworbener Strategien andererseits (McNamara & Scott 2001) tatsächlich in Dichotomie zueinander stehen oder ob sich die Kapazität nicht als etwas denken lässt, das sich wesentlich aus (trainierbaren) Strategien konstituiert. Gerade ein Versuchsaufbau mit japanisch-deutschen und deutsch-japanischen Bilingualen war zur Beantwortung dieser Frage von besonderem Vorteil, da hier neben zwei völlig verschiedenen Schriftsystemen auch zwei kulturdifferente Lernsozialisationen verglichen werden konnten. <br>Als Testverfahren kamen der reading span test (RST) nach Daneman & Carpenter (1980), eine Aufgabe zur Wortdefinition aus dem Zusammenhang einer kleinen Geschichte (nach Daneman & Green 1986), die standardisierten Wechsler-Tests zum Wortschatz und zum Nacherzählen sowie eine Pseudowortlernaufgabe mit Stimuli in den verschiedenen Schriftvariaten zur Anwendung. <br> <br>Als wichtigste Ergebnisse der Untersuchung können festgehalten werden: <br>1. Auch in dieser Untersuchung wurde, wie schon bei Herrmann (1998), ein Hinweis auf den Zusammenhang zwischen der Lesespanne in L1 und L2 bei entsprechender Kompetenz in L2 gefunden. Die relative Unabhängigkeit von der graphischen Präsentation wurde auch durch die Ergebnisse aus der Lernaufgabe mit Pseudowörtern gestützt. <br>2. Die fehlenden durchgängig signifikanten Zusammenhänge der RSTs mit den anderen durchgeführten Tests deuten darauf hin, dass es sich bei der Lesespanne nur um ein Teilmaß des AG handelt, was den Annahmen von Daneman & Carpenter widerspricht. <br>3. Bei der Bearbeitung aller komplexen Aufgaben wurden Hinweise auf den Einfluss von durch die Untersuchungspersonen angewendete Strategien gefunden. Es zeichnet sich ab, dass, wie schon von Hacker & Sieler (1997) beschrieben, gerade die elaborierten Strategien (vor allem bildliche und semantische Kodierung der Informationen und das Verketten von Zielinformationen) starke Effekte auf die Erinnerungsleistung und das Lernen haben. Zum Teil zeigten sich gruppenspezifische Effekte, die ich in der kulturspezifischen Lernsozialisation begründet sehe. Entscheidend hierbei scheinen mir auch die Ergebnisse von McNamara & Scott (2001), die illustrieren, dass effektive Strategien erworben und trainiert werden können.","abstract_html":"Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Schriftsprachverarbeitung im Deutschen und Japanischen und also mit Verarbeitungsunterschieden bei verschiedener graphischer Präsentation. In verschiedenen Tests wird jeweils eine Gruppe japanisch-deutscher und deutsch-japanischer Bilingualer untersucht. Der spezifische Fokus richtet sich dabei auf die Leistungen bei komplexen Leseaufgaben und auf Lernen am Beispiel einer Lernaufgabe mit Pseudowörtern. 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Gerade ein Versuchsaufbau mit japanisch-deutschen und deutsch-japanischen Bilingualen war zur Beantwortung dieser Frage von besonderem Vorteil, da hier neben zwei völlig verschiedenen Schriftsystemen auch zwei kulturdifferente Lernsozialisationen verglichen werden konnten. <br>Als Testverfahren kamen der reading span test (RST) nach Daneman & Carpenter (1980), eine Aufgabe zur Wortdefinition aus dem Zusammenhang einer kleinen Geschichte (nach Daneman & Green 1986), die standardisierten Wechsler-Tests zum Wortschatz und zum Nacherzählen sowie eine Pseudowortlernaufgabe mit Stimuli in den verschiedenen Schriftvariaten zur Anwendung. <br> <br>Als wichtigste Ergebnisse der Untersuchung können festgehalten werden: <br>1. Auch in dieser Untersuchung wurde, wie schon bei Herrmann (1998), ein Hinweis auf den Zusammenhang zwischen der Lesespanne in L1 und L2 bei entsprechender Kompetenz in L2 gefunden. Die relative Unabhängigkeit von der graphischen Präsentation wurde auch durch die Ergebnisse aus der Lernaufgabe mit Pseudowörtern gestützt. <br>2. Die fehlenden durchgängig signifikanten Zusammenhänge der RSTs mit den anderen durchgeführten Tests deuten darauf hin, dass es sich bei der Lesespanne nur um ein Teilmaß des AG handelt, was den Annahmen von Daneman & Carpenter widerspricht. <br>3. Bei der Bearbeitung aller komplexen Aufgaben wurden Hinweise auf den Einfluss von durch die Untersuchungspersonen angewendete Strategien gefunden. Es zeichnet sich ab, dass, wie schon von Hacker & Sieler (1997) beschrieben, gerade die elaborierten Strategien (vor allem bildliche und semantische Kodierung der Informationen und das Verketten von Zielinformationen) starke Effekte auf die Erinnerungsleistung und das Lernen haben. Zum Teil zeigten sich gruppenspezifische Effekte, die ich in der kulturspezifischen Lernsozialisation begründet sehe. Entscheidend hierbei scheinen mir auch die Ergebnisse von McNamara & Scott (2001), die illustrieren, dass effektive Strategien erworben und trainiert werden können.","This thesis seeks to model human working memory in terms of language comprehension. It focuses on the processing of written language in Japanese in relation to German and accordingly on different scripts (Japanese kana, kanji and German language represented in Latin script). Two groups of bilingual subjects are examined, one Japanese-German the other German-Japanese. The specific focus is upon performance in complex reading tasks and in learning tested by a pseudo word learning task. The differences in performance of these tasks will be discussed in terms of working memory capacity and the influence of strategies. <br>The underlying question is, to what extent current models of the working memory (Baddeley & Hitch 1974, Baddeley 2000; Daneman & Carpenter 1980, 1983) are compatible with the results of this research. More precisely, it will be examined if the evidence for individual capacity differences on one hand (Just & Carpenter 1992) and the influence of acquired strategies on the other are indeed dichotomous, or if working memory capacity is not rather to be seen as constituted by (trainable) strategies. A series of tests designed for Japanese-German and German-Japanese bilinguals is especially helpful to answer these questions since comparison is possible not only between different scripts but also between two totally different socializations of learning. <br> <br>The test procedure includes a reading span task each in Japanese and German according to Daneman & Carpenter (1980, 1983), a word definition task according to Daneman & Green (1986), standardized vocabulary and text repetition tests by Wechsler, as well as a pair associated pseudo word learning task. <br>The main results are as follows: <br>1. L2 competence and performance in L2 reading span tasks seem to be linked (as already in Herrmann 1998). L1 reading span and L2 reading span correlate significantly in both groups. Relative independence of script (Herrmann 1998) is supported by the results of the learning task with pseudo words. <br>2. The missing significant correlations between the reading span tasks and the other tests that were carried out indicate that the reading span is only a partial measure of the working memory, which contradicts the assumptions of Daneman & Carpenter. <br>3. During the processing of all complex tasks there was strong evidence of the influence of the subjects use of strategy. It becomes clear that the elaborated strategies as described by Hacker & Sieler 1997 (especially visual and semantic coding of information and chaining of target items) have a strong effect on both target recall and learning. In some tasks group specific effects appeared which can be explained by a culturally different learning socialization. Crucial in this aspect are the results of McNamara & Scott (2001), which show that effective strategies can be acquired and trained."]},{"key":"dc:format.medium","label":"Dc Format Medium","values":["application/pdf"]},{"key":"dc:title","label":"Title","values":["Aspekte der Schriftsprachverarbeitung und der Einfluss von Strategien : eine empirische Untersuchung zum Deutschen und Japanischen","Aspects of written language processing and the influence of strategies : an empirical study on Japanese and German"]}]}],"canonical_facts":{"dc:contributor":["Dittmann, Jürgen"],"dc:creator":["Herrmann, Nina"],"dc:description.abstract":["Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Schriftsprachverarbeitung im Deutschen und Japanischen und also mit Verarbeitungsunterschieden bei verschiedener graphischer Präsentation. 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Gerade ein Versuchsaufbau mit japanisch-deutschen und deutsch-japanischen Bilingualen war zur Beantwortung dieser Frage von besonderem Vorteil, da hier neben zwei völlig verschiedenen Schriftsystemen auch zwei kulturdifferente Lernsozialisationen verglichen werden konnten. <br>Als Testverfahren kamen der reading span test (RST) nach Daneman & Carpenter (1980), eine Aufgabe zur Wortdefinition aus dem Zusammenhang einer kleinen Geschichte (nach Daneman & Green 1986), die standardisierten Wechsler-Tests zum Wortschatz und zum Nacherzählen sowie eine Pseudowortlernaufgabe mit Stimuli in den verschiedenen Schriftvariaten zur Anwendung. <br> <br>Als wichtigste Ergebnisse der Untersuchung können festgehalten werden: <br>1. Auch in dieser Untersuchung wurde, wie schon bei Herrmann (1998), ein Hinweis auf den Zusammenhang zwischen der Lesespanne in L1 und L2 bei entsprechender Kompetenz in L2 gefunden. Die relative Unabhängigkeit von der graphischen Präsentation wurde auch durch die Ergebnisse aus der Lernaufgabe mit Pseudowörtern gestützt. <br>2. Die fehlenden durchgängig signifikanten Zusammenhänge der RSTs mit den anderen durchgeführten Tests deuten darauf hin, dass es sich bei der Lesespanne nur um ein Teilmaß des AG handelt, was den Annahmen von Daneman & Carpenter widerspricht. <br>3. Bei der Bearbeitung aller komplexen Aufgaben wurden Hinweise auf den Einfluss von durch die Untersuchungspersonen angewendete Strategien gefunden. Es zeichnet sich ab, dass, wie schon von Hacker & Sieler (1997) beschrieben, gerade die elaborierten Strategien (vor allem bildliche und semantische Kodierung der Informationen und das Verketten von Zielinformationen) starke Effekte auf die Erinnerungsleistung und das Lernen haben. Zum Teil zeigten sich gruppenspezifische Effekte, die ich in der kulturspezifischen Lernsozialisation begründet sehe. Entscheidend hierbei scheinen mir auch die Ergebnisse von McNamara & Scott (2001), die illustrieren, dass effektive Strategien erworben und trainiert werden können.","This thesis seeks to model human working memory in terms of language comprehension. It focuses on the processing of written language in Japanese in relation to German and accordingly on different scripts (Japanese kana, kanji and German language represented in Latin script). Two groups of bilingual subjects are examined, one Japanese-German the other German-Japanese. The specific focus is upon performance in complex reading tasks and in learning tested by a pseudo word learning task. The differences in performance of these tasks will be discussed in terms of working memory capacity and the influence of strategies. <br>The underlying question is, to what extent current models of the working memory (Baddeley & Hitch 1974, Baddeley 2000; Daneman & Carpenter 1980, 1983) are compatible with the results of this research. More precisely, it will be examined if the evidence for individual capacity differences on one hand (Just & Carpenter 1992) and the influence of acquired strategies on the other are indeed dichotomous, or if working memory capacity is not rather to be seen as constituted by (trainable) strategies. A series of tests designed for Japanese-German and German-Japanese bilinguals is especially helpful to answer these questions since comparison is possible not only between different scripts but also between two totally different socializations of learning. <br> <br>The test procedure includes a reading span task each in Japanese and German according to Daneman & Carpenter (1980, 1983), a word definition task according to Daneman & Green (1986), standardized vocabulary and text repetition tests by Wechsler, as well as a pair associated pseudo word learning task. <br>The main results are as follows: <br>1. L2 competence and performance in L2 reading span tasks seem to be linked (as already in Herrmann 1998). L1 reading span and L2 reading span correlate significantly in both groups. Relative independence of script (Herrmann 1998) is supported by the results of the learning task with pseudo words. <br>2. The missing significant correlations between the reading span tasks and the other tests that were carried out indicate that the reading span is only a partial measure of the working memory, which contradicts the assumptions of Daneman & Carpenter. <br>3. During the processing of all complex tasks there was strong evidence of the influence of the subjects use of strategy. It becomes clear that the elaborated strategies as described by Hacker & Sieler 1997 (especially visual and semantic coding of information and chaining of target items) have a strong effect on both target recall and learning. 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