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Universität Bielefeld

Environmental Health Literacy: Umwelt und Gesundheit Synergieeffekte erkennen und nutzen. Organisatorische Gesundheitskompetenz von Gesundheitsämtern und ihre Kooperation mit Umweltbehörden in drei deutschen Bundesländern

Abstract

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**Hintergrund:** Die Covid-19 Pandemie hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig die Gesundheitskompetenz (GK) jedes Einzelnen ist, um relevante Informationen zu finden, zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und für gesundheitsförderliche Entscheidungen anzuwenden. Die Flut an Informationen steigt in der heutigen Welt weiter rasant. Auch für gesundheitliche Chancengleichheit und zukünftige Herausforderungen wie die Folgen des Klimawandels hat GK eine große Bedeutung. Zunehmend wird klar, dass nicht nur die individuelle GK eine Rolle spielt, sondern auch die Systeme, in denen sich die Menschen bewegen, möglichst gesundheitskompetent sein müssen. Gleichwohl reicht es nicht, nur die Gesundheit in den Blick zu nehmen. Auch die Umwelt und ihre Wechselwirkungen mit der Gesundheit sind von essentieller Bedeutung für interdisziplinäre Lösungen. Für die Gesundheit der Bevölkerung auf kommunaler Ebene sind in Deutschland die Gesundheitsämter (GÄ), für Umwelt- und Naturschutz die Umweltämter (UÄ) der Städte und Landkreise zuständig. Die organisationale Gesundheitskompetenz (OGK) deutscher GÄ als lokale Vertreter des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) ist bisher nicht Gegenstand der Public Health-Forschung. Für eine Bewertung der aktuellen OGK ist die Entwicklung eines Selbstbewertungswerkzeuges oder Messinstrumentes erforderlich. Dies wiederum benötigt ein zugrundeliegendes konzeptionelles Modell. Beides existiert bereits für Krankenhäuser und andere Organisationen, jedoch nicht für GÄ in Deutschland. Die Messung der OGK, die Identifizierung von Barrieren für ihre Erhöhung sowie Empfehlungen und Werkzeuge zur Beseitigung derselben können perspektivisch den ÖGD gesundheitskompetenter machen. Da somit sehr viele Menschen in dessen Wirkungsbereich erreicht werden können, erscheint dies ein lohnendes Forschungsfeld. Die kommunale Ebene als direkte Schnittstelle zwischen Politik und Bürger:innen soll in dieser Arbeit im Fokus stehen. Auf kommunaler Ebene besitzen GÄ als Teil des ÖGD sowie UÄ als Teil der Umweltschutzbehörden in Deutschland einen hohen praktischen Einfluss auf die Bevölkerung. Um ihre Aufgaben, einschließlich des umweltbezogenen Gesundheitsschutzes, gerade unter oft begrenzten Ressourcen oder anderen erschwerenden Bedingungen optimal auszuüben sind Kompetenzen wie Umwelt- und Gesundheitskompetenz auf Organisationslevel ein wichtiger Baustein. Weitere wichtige Punkte sind die Zusammenarbeit bei komplexen Themen wie Klimawandel und Stadtentwicklung sowie die Vernetzung mit Wissenschaft, Forschung und anderen Ämtern. **Ziele und Fragestellung:** Die GÄ haben das Ziel, die Bevölkerungsgesundheit zu unterstützen. Um dieses erfüllen zu können, stellt sich die Frage, wie sie ihre Informationen und Angebote so gestalten können, dass sie von den Nutzenden gut gefunden, verstanden und für gesunde Entscheidungen genutzt werden können. Um zu entscheiden, in welchem Bereich Ressourcen investiert und Verbesserungen angestrebt werden, wird ein Messinstrument für die Erfassung des IST-Zustandes benötigt. Dafür wiederum braucht es ein zugrundeliegendes theoretisches Modell. In dieser Arbeit wurde daher untersucht, welches vorhandene Modell für OGK angewandt oder abgewandelt werden kann, um ein Modell für gesundheitskompetente GÄ zu entwickeln (Forschungsfrage (FF) 1). Um prospektiv Handlungsempfehlungen entwickeln zu können sollte zudem die Frage geklärt werden, welche Hindernisse und Barrieren der Erhöhung von OGK entgegenstehen (FF 2). Um auch im wichtigen Kooperationsfeld Umweltgesundheit Ressourcen optimal einzusetzen, wurden in der vorliegenden Arbeit vorhandene und denkbare Synergiefelder für die Zusammenarbeit aus Sicht von Expert:innen erfragt (FF 3). Zudem interessierten auch hier Hindernisse und Barrieren (FF 4), um Handlungsempfehlungen für eine bessere Zusammenarbeit ableiten zu können. Zusammenfassend besteht Forschungsbedarf dahingehend, wie Kommunen, ihre Verwaltungen sowie deren einzelne Ämter ihre Arbeit so verbessern können, dass sie wiederum die Umwelt-/ Gesundheitskompetenz ihrer Einwohner:innen fördern. Eine Kooperation der Fachämter, sowie die Vereinigung der Gesundheits- und Umweltkompetenz-Ansätze zu Umweltgesundheitskompetenz (UGK) soll durch die geplante Arbeit unterstützt werden. **Methoden:** Vor dem Hintergrund der beschriebenen Theoriearmut wurde ein qualitatives Studiendesign gewählt. Zu Beginn dieser Dissertation erfolgte eine breite, explorative Literaturrecherche zur Schärfung der zugrundeliegenden Konzepte und zur Eingrenzung der Forschungsfragen. Der Fokus lag dabei auf den Konzepten der gesundheitskompetenten Organisationen und der Umweltgesundheitskompetenz, sowie der Zusammenarbeit zwischen UÄ und GÄ. Im Anschluss fanden sechzehn leitfadengestützte Expert:inneninterviews in drei deutschen Bundesländern statt. Befragt wurden Mitarbeitende ausgewählter, möglichst verschiedener GÄ und UÄ, sowie übergeordneter Behörden. Das transkribierte Textmaterial wurde einer qualitativen, inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Mayring unterzogen. Durch die deduktiv-induktive Kategorienbildung und anschließende Codierung und Auswertung des Materials konnten die herausgearbeiteten Forschungsfragen beantwortet und weiterführende Forschungs- und Handlungsfelder aufgezeigt werden. **Ergebnisse:** Für die OGK der GÄ in Deutschland wurde ein angepasstes, auf vorhandenen Modellen aufbauendes, konzeptionelles Modell mit zwölf Attributen entwickelt (FF 1). Diese lassen sich den Bereichen „Führung und Organisationskultur“, „Mitarbeitende“ und „Erstellung und Implementierung von Informationen und Angeboten“ zuordnen. Zwölf Barrieren und Hindernisse, die der Erhöhung von OGK entgegenstehen, wurden identifiziert (FF 2). Auch diese lassen sich drei Bereichen zuordnen: „Führung und Organisationskultur“, „Entwicklung und Umsetzung von Informationen und Verbesserungsmaßnahmen“, sowie „Mitarbeitende und der Kontakt nach Außen“. Basierend darauf wurden erste Handlungsempfehlungen zur Überwindung der Barrieren und damit der Erhöhung der OGK von GÄ formuliert. Als Antwort auf FF 3 konnten eine Vielzahl von inhaltlichen und organisatorischen Synergiefeldern für die Kooperation zwischen UÄ und GÄ gesammelt werden. Diese reichten inhaltlich von „multiresistenten Erregern“ über „Neobiota“ bis hin zu „psychosomatischen Beschwerden“ und organisatorisch von „gemeinsamen Forschungsprojekten“ über „Mitgestaltung von Gesetzen“ bis hin zu „Planungsprozessen“ und vielem mehr. Zehn Barrieren und Hindernisse wurden herausgearbeitet, die der Nutzung von Synergien zwischen GÄ und UÄ in Deutschland entgegenstehen (FF 4). Der Vergleich zwischen diesen Barrieren und den für FF 2 ermittelten konnte aufzeigen, welche davon allgemeingültiger und welche spezifischer sind. Abschließend wurden erste Handlungsempfehlungen zur weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit zusammengestellt. **Fazit:** Viele Gesundheits- und Umweltthemen sind eng miteinander verknüpft und fallen in die Zuständigkeitsbereiche von Umwelt- und Gesundheitsbehörden. Es konnten Bereiche identifiziert werden, in denen Synergieeffekte genutzt und Ressourcen gebündelt eingesetzt werden können. Auf Basis der von den Expert:innen genannten Hindernisse für eine bessere Zusammenarbeit können Handlungsempfehlungen entwickelt werden. Somit soll eine Verbesserung der (Umwelt-)Gesundheit der Bevölkerung, sowie des gesundheitsbezogenen Umweltschutzes auf kommunaler Ebene angestrebt werden. Das Konzept der UGK kann dabei auf individueller, sowie organisationaler Ebene eine unterstützende Rolle spielen. Das vorliegende neue Modell für die OGK deutscher GÄ kann den Grundstein für zukünftige Forschung in diesem Bereich legen. Ein Selbstbewertungswerkzeug kann auf Grundlage des Modells an GÄ angepasst werden. Dies ermöglicht die Messung des aktuellen Kompetenzlevels sowie die Identifikation von Handlungsfeldern. Die Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Überwindung der genannten Barrieren kann die OGK deutscher GÄ erhöhen und somit erheblich zur Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit beitragen. Die Übertragung der Ergebnisse auf ganz Deutschland sowie andere Länder könnte die Forschung zu OGK weiter stärken.

Degree

thesis:*
Level thesis:degree_level
thesis.doctoral
Grantor dc:publisher
Universität Bielefeld
Year
2024

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author dc:creator
  • Mehlis, Anika

Identifiers

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https://pub.uni-bielefeld.de/record/2987135
OAI identifier oai:identifier
oai:pub.uni-bielefeld.de:2987135

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Universität Bielefeld
Base URL
pub.uni-bielefeld.de/oai
Last updated
2026-07-27
Source record
OAI-PMH GetRecord
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Mehlis, Anika. Environmental Health Literacy: Umwelt und Gesundheit Synergieeffekte erkennen und nutzen. Organisatorische Gesundheitskompetenz von Gesundheitsämtern und ihre Kooperation mit Umweltbehörden in drei deutschen Bundesländern. thesis.doctoral thesis, Universität Bielefeld, 2024. https://pub.uni-bielefeld.de/record/2987135