Universität Bielefeld
Ist der Abbau kognitiver Funktionen im Alter unveränderbar? Modulation von Wortflüssigkeitsleistung und Sprachlateralisation durch transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)
Abstract
dc:description.abstractAlltägliche Phänomene, die Probleme in der Kommunikation zwischen zwei Menschen hervorrufen (wie beispielsweise temporäre Gedächtnisprobleme oder Wortfindungsstö- rungen), können grundsätzlich in allen Altersklassen auftreten. Im Laufe des physiologischen Alterungsprozesses nehmen diese aber, auch subjektiv wahrnehmbar, deutlich zu. Dies ist auf assoziierte strukturelle sowie funktionelle Faktoren zurückzuführen, bei der sich bei diversen kognitiven Prozessen neben einer allgemeinen Veränderung kortikaler Aktivität auch eine Reduktion der Hemisphärenasymmetrie des Gehirns einstellt (Cabeza, 2002; Cabeza et al., 2018). Im Rahmen von neurodegenerativen Prozessen und Krankheiten, wie z.B. dem mild cognitive impairment oder diversen Demenzformen, überschreiten sie dabei ein alterstypisches Spektrum. Wortflüssigkeitsaufgaben gehören in diesem Zusammenhang bei diversen Kognitions- und Aphasiescreenings zu den reliabelsten Aufgabentypen, um die expressive, sprachliche Leistungsfähigkeit eines Menschen zu beurteilen. Gleichzeitig sind diese Aufgaben hochsensitiv gegenüber dem Fortschritt einer neurodegenerativen Veränderung auf Hirnebene (Cerhan et al., 2002; Vonk et al., 2020).<br /><br /> In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss anodaler Gleichstromstimulation auf die Wortflüssigkeitsleistung sowie die Richtung und Ausprägung der mittels funktioneller Dopplersonographie (fTCD) gemessenen Sprachlateralisation bei Patienten mit MCI gesunden, älteren Probanden untersucht. Zweitens stand ein möglicher Zusammenhang zwischen Veränderungen der Wortflüssigkeitsleistung und den gemessenen Lateralisationsindizes im Fokus dieses Dissertationsprojekts. In einer Pilotstudie (Reliabilitätsprü- fung fTCD) wurde zunächst die Stabilität der gemessenen Lateralisationsmuster sowie eine mögliche Korrelation zwischen Veränderungen in der Wortflüssigkeitsleistung und der Lateralisation überprüft. In der Hauptuntersuchung dieses Projekts wurde in einer randomisierten Doppelblindstudie der Einfluss eines dreitägigen Wortflüssigkeitstrainings mit anodaler Gleichstromstimulation (im Vergleich zu einer sham-Stimulation) auf die Wortflüssigkeitsleistung sowie die kognitive Leistungsfähigkeit in anderen Demenzscreenings und die Muster der gemessenen Sprachlateralisation bestimmt. Anodale Gleichstromstimulation führte bei beiden Gruppen gesunder, älterer Probanden zu einer signifikanten Steigerung der phonologischen Wortflüssigkeitsleistung, die zudem mit der Ausprägung der linksdominanten Sprachlateralisation korrelierte. Bei Patienten mit MCItrat dieser Effekt nicht ein, sie steigerten sich im Gegensatz zu den gesunden Probanden zudem in stärkerem Ausmaß im Rahmen der der semantischen Wortflüssigkeitsaufgabe.<br /><br /> Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass eine Kombination aus kognitivem Training (z.B. Wortfindungs- und Gedächtnistraining) und anodaler Gleichstromstimulation bei älteren Probanden bereits nach dreitägigem Einsatz zu einer signifikanten Steigerung führen kann. Im Rahmen von neurodegenerativen und anderen altersbedingten Erkrankungen müssen aber sowohl das Studiendesign als auch die elektrischen Stimulationsparameter sowie die Positionierung der Elektroden an die zugrundeliegenden Beeinträchtigungen adaptiert werden.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Bielefeld
- Year
- 2023
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Heimann, Florian
Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://pub.uni-bielefeld.de/record/2984038
- OAI identifier oai:identifier
- oai:pub.uni-bielefeld.de:2984038