Universität Bielefeld
"Fremde Lebenswelt" und ihre Bedeutung für Gesundheit und Versorgung bei Geflüchteten - eine Mixed-Method-Studie
Abstract
dc:description.abstractHintergrund: Menschen mit Fluchtgeschichte sind angesichts einer fremden Lebenswelt mit einer Vielzahl an Postmigrationsstressoren (PMLD) konfrontiert, die die Entwicklung von Gesundheit und Krankheit beeinflussen können. Welche Bedeutung die fremde Lebenswelt für den Zugang zur Gesundheitsversorgung hat, ist derzeit noch unzureichend erforscht. Es zeigt sich jedoch, dass strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems beeinflussen. Zielsetzung: Ziel der vorliegenden Dissertation ist es, die Zusammenhänge zwischen fremder Lebenswelt, Gesundheit / Krankheit und Versorgung bei Menschen mit Fluchtgeschichte exemplarisch in einer Region in Deutschland zu untersuchen. Dabei soll aus der Perspektive der Geflüchteten exploriert werden, welche Belastungen und Ressourcen mit PMLD verbunden sind, wie diese die Entwicklung und Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit beeinflussen und welche Rolle sie bei der Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung spielen. Methoden: Der Arbeit liegt ein exploratives Mixed-Method-Design zugrunde. Dafür wurden im Rahmen der FlüGe-Gesundheitsstudie (Querschnittsdesign) zunächst n=198 Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften und betreuten Wohnungen befragt. Die quantitativen Daten wurden mittels multivariater Analysemethoden ausgewertet. Eine Teilstichprobe wurde in tiefergehenden problemzentrierten Interviews nachbefragt. Die qualitativen Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet und in ein Modell zu den Zusammenhängen von Lebenswelt, Gesundheit, Versorgung und Ressourcen integriert. Ergebnisse: Gesundheit / Krankheit und die damit verbundene Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung werden durch das Vorhandensein einer Beschäftigung, den Aufenthaltsstatus, die Wohnsituation, den Spracherwerb, soziale Unterstützung und kumulierte Fremdheitserfahrungen beeinflusst. Die Clusteranalyse in Verbindung mit den qualitativen Interviews konnte dabei besonders vulnerable Gruppen für unerfüllte Versorgungsbedürfnisse identifizieren. Das Vorhandensein von Ressourcen nimmt einen wichtigen Stellenwert in der fremden Lebenswelt ein. Durch sie können Fremdheit in der Gesundheitsversorgung und der Lebenswelt ab- oder aufgebaut und damit krisenhafte Situationen abgewendet oder hervorgerufen werden. Fazit: Die vorliegende Arbeit verdeutlicht die Relevanz der fremden Lebenswelt und inhärenter PMLD für Gesundheit und Inanspruchnahme der Versorgung bei Geflüchteten. Eine ressourcenorientierte Perspektive in der Public Health Praxis und Forschung ist notwendig, um bedürfnisgerechte Versorgungsstrukturen für Menschen mit Fluchtgeschichte schaffen zu können.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Bielefeld
- Year
- 2022
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Nowak, Anna Christina
Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://pub.uni-bielefeld.de/record/2963919
- OAI identifier oai:identifier
- oai:pub.uni-bielefeld.de:2963919