Universität Bayreuth
Kognitive Leistungen, Einstellungen und Assoziationen : eine erlebnisorientierte Interventionsstudie am außerschulischen Lernort Nationalpark
Abstract
dc:description.abstractAuf Grund der zunehmenden Urbanisierung und starken Medienorientierung nutzen Kinder und Jugendliche in der heutigen Gesellschaft nur noch selten die Möglichkeiten, sich in der Natur aufzuhalten und sich mit ihrer natürlichen Umgebung auseinander zu setzten. Die daraus resultierenden Folgen sind Bewegungsmangel, gesundheitliche Probleme, Konzentrationsschwierigkeiten und große Wissenslücken zur einheimischen Tier- und Pflanzenwelt (z. B. Miller 2005; Janssen et al. 2005; Faber Taylor und Kuo 2009). Darum ist es gerade in der heutigen Zeit wichtig, dass Kinder und Jugendliche auf Veränderungen in ihrer Umwelt, wie Klimawandel oder Übernutzung der natürlichen Ressourcen, aufmerksam gemacht werden. Sie sind die zukünftige Generation, die als Interessensvertreter verantwortungsbewusst mit der Natur umgehen muss. Grundlegendes Wissen über die natürlichen Vorgänge, Ökosysteme und auch die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sind dafür essentiell. Aufbauend auf vorherige Studien mit erfolgreicher Wissensvermittlung und Förderung umweltfreundlicher Einstellungen durch direkte Erfahrungen in der Natur (Bogner 1998b; Duerden und Witt 2010), wurden die Auswirkungen eines Unterrichtsprogramms am außerschulischen Lernort Nationalpark untersucht. Ziel dieses Programmes war es, junge Schüler mit naturnahen und möglichst erlebnisorientierten Methoden wieder an ihre natürliche Umwelt heranzuführen. Der wissenschaftliche Teil dieser Studie verfolgte dabei den Einfluss eines solchen Programmes auf den Wissenszuwachs und die Lernemotionen (Teilarbeit A), wie auch auf die Umwelteinstellungen der Schüler (Teilarbeit B). Darüber hinaus sollten erste Erkenntnisse zu Assoziationen von Schülern gegenüber den Raubtierarten Wolf und Luchs ermittelt werden (Teilarbeit C). In Teilarbeit A konnte bestätigt werden, dass erlebnisorientierte Erfahrungen mit der Natur das Wissen der Schüler langfristig steigern können. Zusätzlich beeinflusste eine emotionsgeprägte Nachbereitung den Wissenserfolg der Schüler signifikant und nachhaltig. Auch während der Intervention konnten die positiven Lernemotionen angesprochen werden, die sich wiederum steigernd auf den Wissenserwerb auswirkten. Eine Veränderung hin zu umweltfreundlicheren Einstellungen konnte entgegen den Erwartungen durch die Intervention nicht erreicht werden (Teilarbeit B). Die Vermittlung reinen Faktenwissens reicht bei jungen Schülern demnach nicht aus, um ein Umdenken in Richtung umweltfreundlicheren Einstellungen zu erzielen. Junge Schüler benötigen daher eine direkte Vermittlung von Umweltthemen zu Naturschutz und Naturnutzung. Dennoch zeigten Schüler mit umweltfreundlicheren Einstellungen einen besseren kognitiven Lernerfolg. Die Analyse der Assoziationen in Teilstudie C zeigte zudem, dass Schüler über ein sehr weites Spektrum die Lebensbereiche des Wolfes und Luchses beschreiben und bestehende Wissenslücken zu den Tierarten schließen können. Dennoch scheinen die Schüler immer noch von dem negativen Bild der „gefährlichen“ Raubtiere geprägt zu sein. Entsprechende Sensibilisierungen gegenüber gefährdeten Tierarten, vor allem solchen, die sich in Deutschland wieder verbreiten, sind daher unbedingt notwendig. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein erlebnisorientiertes Unterrichtsprogramm mit direkten Erfahrungen in der Natur sowohl kognitive Leistungen der Schüler fördert als auch emotionale Bereiche der Schüler anspricht und dadurch den Lernerfolg signifikant beeinflusst. Zur positiven Veränderung der Umwelteinstellung von jungen Schülern bedarf es aber einer gezielten Anwendung von Unterrichtseinheiten zu Umweltschutzthemen. Zukünftige Bildungsangebote sollten diese Themen miteinplanen, denn umweltfreundliche Einstellungen können zusätzlich den Lernerfolg der Schüler steigern (vgl. Bogner 1999; Fremerey und Bogner 2015). Mit der Methode der Wort-Assoziationen gelang ein weitreichender Einblick in die Sichtweisen von Schülern über die Tiere Wolf und Luchs. Das immer noch bei den Schülern verbreitete, negative Bild dieser Tiere konnte durch die kurze, effektive und emotional geprägte Interventionseinheit langfristig verbessert werden. Angesichts der heutigen Entwicklung unserer Gesellschaft und der Ergebnisse dieser Studie sollten Schulen, besonders in den unteren Jahrgangsstufen, erlebnisorientierte Bildungsprogramme in der heimischen Natur häufiger nutzen. Dadurch können sie den Schülern ihre natürliche Umwelt näher bringen, sie über wichtige Grundlagen informieren und auch auf die zukommenden Veränderungen der Umwelt aufmerksam machen.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Bayreuth
- Year
- 2015
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Dieser, Olivia
- Contributors dc:contributor
-
- Bogner, Franz X.
Identifiers
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- https://epub.uni-bayreuth.de/id/eprint/2072/
- OAI identifier oai:identifier
- oai:epub.uni-bayreuth.de:2072