Universität Bayreuth
Für und Wider die Librettologie : Zu Geschichte und Kritik einer Librettoforschung des Gesangstheaters
Abstract
dc:description.abstractDie wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Text einer Oper (dem sogenannten »Libretto«) rückt (v. a. gegen Ende des 20. Jahrhunderts) im Rahmen geistes- und/oder kulturwissenschaftlicher Studien zunehmend in den Fokus vieler unterschiedlicher Fachdisziplinen. Innerhalb der relevanten Forschungsliteratur wird dabei zwar immer wieder auf eine Strömung rekurriert, die als »Librettoforschung« oder »Librettologie« auf Theorie und Analyse von Operntexten zielt, allerdings ist dieses Forschungsstreben - trotz verschiedener anderslautender Kolportagen - kontemporär noch immer derart amorph, dass es inkorrekt scheint, auf der Basis des tatsächlichen Forschungsstandes von einer selbstständigen Forschungsrichtung (oder gar Disziplin) zu sprechen: Eine valide Theorie existiert bis jetzt ebenso wenig wie adäquate Analysemethoden (eine rein literaturwissenschaftlich basierte Annäherung zeigt sich in vielerlei Hinsicht als hochgradig problematisch). Dieses Vakuum minimaler Standards führt dazu, dass Lücken nolens volens mit (teilweise fragwürdigen) theoretisch-methodischen Bruchstücken geklittert werden. Die vorliegende Arbeit sichtet und untersucht daher die bisher zu diesem Thema erfolgten Beiträge kritisch; zugleicht wird geprüft, ob sich zumindest marginale fachübergreifende Konturen einer Form der Librettoforschung erkennen lassen. In diesem Zusammenhang werden Überlegungen relevant zu Zielen, Methodik (bzw. Methodologie), Trägerschaft und Theorie - etwa die Abgrenzung von Librettoforschung, Librettologie und Librettistik betreffend oder auch die überaus diskussionswürdige Kategorie »Literaturoper«; daneben werden ebenso Fragen der Abgrenzung der Untersuchung des Librettos gegenüber einer (allgemeinen) Opernforschung behandelt oder - vor dem Hintergrund der vermehrten Applikation (inter-)medialer Ansätze auf den vorliegenden Problembereich - Überlegungen hinsichtlich der Semiotizität bzw. Semantizität musikalischen Ausdrucks erforderlich. Der Schwerpunkt liegt auf der Zusammenstellung und Diskussion des gegenwärtigen Torsos der wissenschaftlichen Fachliteratur zur Erforschung des Librettos sowie einer diskursiven Ordnung und Vorstellung ihrer Entwicklungsgeschichte. Als ein zentrales Ergebnis (und zugleich wesentliche Ursache für die Heterogenität der vorliegenden Forschungsansätze) zeigt sich die ebenso signifikante wie vielfach latente Unschärfe des Librettobegriffs selbst, die sich als »Diversität des Librettobegriffs« verstehen und in vier Kategorien (systembezogen, gattungsbezogen, zweckbezogen, funktionsbezogen) beschreiben lässt, welche sich in unterschiedlichen Antinomien (wie Textualität vs. Performativität, literarische vs. theatrale Verwendung, Produktions- vs. Rezeptionsdisposition, Speichermedium vs. Artikulationsform etc.) und korrespondierenden Textstadien (wie zur Vertonung gereichter/herangezogener/konzipierter Text, tatsächlich vertonter Text, gedrucktes Textbuch, literarische Werkausgabe, (Teil-)Übersetzungen, Klavierauszüge, Arienbücher etc.) manifestieren. Solange dabei unter dem Terminus »Libretto« im Bereich der Oper ausschließlich historische Textdrucke verstanden werden, kann im Übrigen kein Vorteil darin gesehen werden, zwischen Begriffen wie Librettoforschung und Librettologie zu differenzieren, da beide Bezeichnungen auf denselben Gegenstand (und identische Analysekriterien) zielen würden.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Bayreuth
- Year
- 2015
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Rudolph, Alexander
- Contributors dc:contributor
-
- Döhring, Sieghart
Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://epub.uni-bayreuth.de/id/eprint/1901/
- OAI identifier oai:identifier
- oai:epub.uni-bayreuth.de:1901