Universität Bayreuth
Erfahrungsbasiertes Verstehen geowissenschaftlicher Phänomene : eine didaktische Rekonstruktion des Systems Plattentektonik
Abstract
dc:description.abstractViele geowissenschaftliche Phänomene sind aufgrund ihrer zeitlichen und räumlichen Dimensionen nicht unmittelbar erfahrbar (vgl. FELZMANN 2013). Gemäß der Theorie des erfahrungsbasierten Verstehens (LAKOFF & JOHNSON 1980; JOHNSON 1987; LAKOFF &JOHNSON 1999; GROPENGIESSER 2006; 2007) ist das Verstehen solcher nicht direkt verständlicher Bereiche nur durch metaphorische Übertragung sensomotorischer Erfahrungen aus direkt verständlichen Quellbereichen möglich. Insbesondere bei Unterrichtsthemen, die den Einsatz von Metaphern und Analogien erfordern, ist die Verwendung geeigneter verkörperter Begriffe als Quellbereich der metaphorischen Übertragung von großer Bedeutung für den den Aufbau einer aus wissenschaftlicher Sicht angemessenen Vorstellung (vgl. NIEBERT, MARSCH & TREAGUST 2012). Damit sollte der Theorie des erfahrungsbasierten Verstehens bei der Konzeption von Lernangeboten zu geowissenschaftlichen Phänomenen eine zentrale Rolle zukommen. Ein Ziel der vorliegenden Dissertation war es, auf Basis der geschilderten theoretischen Perspektive didaktische Leitlinien zur Vermittlung der dem Verständnis einer Vielzahl geowissenschaftlicher Phänomene zugrunde liegenden Theorie der Plattentektonik zu entwickeln. Als Forschungsrahmen diente das Modell der didaktischen Rekonstruktion (KATTMANN, DUIT,GROPENGIESSER & KOMOREK 1997; KATTMANN 2007). Die Auswertung der 15 zur Erfassung der Lernerperspektive mit Schüler_innen der 9. Jahrgangsstufe des bayerischen Gymnasiums durchgeführten problemzentrierten Einzelinterviews (WITZEL 2000) erfolgte wie die Auswertung des bei der fachlichen Klärung herangezogenen Quellenmaterials (GROTZINGER, JORDAN, PRESS & SIEVER 2008; TARBUCK & LUTGENS 2009; FRISCH & MESCHEDE 2011; HÖINK, JELINEK & LENARDIC 2011) mittels einer Kombination aus qualitativer Inhaltsanalyse (GROPENGIESSER 2005; KRÜGER & RIEMEIER 2014) und systematischer Metaphernanalyse (SCHMITT 2003; NIEBERT 2010). Auf diese Weise wurden neben den Vorstellungen auf einer unterrichtsrelevanten Ebene auch die den Vorstellungskonstruktionen zugrunde liegenden Quellbereiche rekonstruiert. Beim Erfassen von Lernerperspektiven wurde zudem mittels einer in Anlehnung an die Vorgehensweise von MÜLLER (1998) sowie HERRERA und RIGGS (2013) durchgeführten Analyse der Gestik ein weiteres Fenster zu den verkörperten Kognitionen der Schüler_innen genutzt. Durch die kognitionslinguistische Analyse (GROPENGIESSER 1999, RIEMEIER 2005) des zentralen Wortes „Platte“ konnte zudem dessen lebensweltliches Verständnis und mögliche Schwierigkeiten bei der Nutzung der Basiskategorie Platte in Bezug auf Vorstellungskonstruktionen zu Lithosphärenplatten erfasst werden. Im Rahmen der didaktischen Strukturierung erfolgte ein systematischer Vergleich der Schülervorstellungen mit der Perspektive der Wissenschaft, der die Grundlage der Erstellung didaktischer Leitlinien bildete. Hierbei wurde der Fokus auf die Aktivierung für das Verständnis geeigneter verkörperter Begriffe gelegt (vgl. NIEBERT et al. 2012). Ein weiteres, übergreifendes Ziel der vorliegenden Dissertation bestand darin, den Nutzen der Theorie des erfahrungsbasierten Verstehens hinsichtlich der Analyse und Prognose typischer Lernschwierigkeiten in geowissenschaftlichen Kontexten zu untersuchen. CHEEK (2010) sieht eine zentrale Lernschwierigkeit bei geowissenschaftlichen Inhalten in einer unangemessenen Übertragung von Alltagswissen auf geowissenschaftliche Phänomene. Im Rahmen dieser Dissertation wird diese unangemessene Übertragung von Alltagswissen mithilfe der Theorie des erfahrungsbasierten Verstehens untersucht. Zu diesem Zweck wurden Spezifika geowissenschaftlicher Inhalte herausgearbeitet und mit der Theorie des erfahrungsbasierten Verstehens in Beziehung gesetzt. Hierbei wurden deduktiv vier Hypothesen zu Kategorien von Lernschwierigkeiten in geowissenschaftlichen Kontexten entwickelt. Die Ergebnisse von drei geographiedidaktischen Forschungsarbeiten wurden unter der Fragestellung reanalysiert, ob diese vier deduktiv entwickelten Kategorien geeignet sind, Lernschwierigkeiten der Schüler_innen zu erklären. Bei den reanalysierten Studien handelt es sich neben der im Rahmen dieser Dissertation angefertigten didaktischen Rekonstruktion der Plattentektonik um die didaktische Rekonstruktion des Passatkreislaufs (BASTEN 2013) sowie die didaktische Rekonstruktion von Gletschern und Eiszeiten (FELZMANN 2013). Die Befunde deuten darauf hin, dass alle vier aufgestellten Kategorien geeignet sind, die Ursachen möglicher im Geographieunterricht auftretender Lernschwierigkeiten zu erklären.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Bayreuth
- Year
- 2014
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Conrad, Dominik
- Contributors dc:contributor
-
- Obermaier, Gabriele
Identifiers
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- https://epub.uni-bayreuth.de/id/eprint/1716/
- OAI identifier oai:identifier
- oai:epub.uni-bayreuth.de:1716