Universität Bayreuth
Fremdverstehen und Toleranz - interdisziplinäre und interkulturelle Perspektiven
Abstract
dc:description.abstractDie vorliegende Dissertation steht in der Tradition der interdisziplinären und interkulturellen Kulturstudien zum Thema Toleranz. Sie geht von dem Zusammenhang von Fremdheit und Toleranz aus und diskutiert zuerst das Problem des Fremderstehens in interdisziplinären Be-trachtungsebenen, um anschließend kulturspezifische Toleranztraditionen und ihre Bedeutung für die Gegenwart kritisch zu überprüfen. Ausgehend von hermeneutischen Überlegungen wird gezeigt, dass das Verstehen des Frem-den als Interpretament der Andersheit und Differenz (Harald Weinrich 1990), wenn es in sei-ner Andersheit gelassen wird, eine Aporie darstellt. Diese Aporie manifestiert sich in der Ver-stehbarkeit und Nichtverstehbarkeit des Fremden, so dass der ganze hermeneutische Prozess der Annäherung an das Fremde mit Skepsis betrachtet werden kann. Die Skepsis gegenüber der Verstehbarkeit des Fremden wird jedoch in dieser Arbeit in Anlehnung an den Literatur-wissenschaftler Alois Wierlacher (1984), den Philosoph Ram Adhal Mall (2005) und die Phi-losophin Heike Kämpf (2003) als Vorteil angesehen, weil sie die Interpretation des Fremden offen lässt. Diese Offenheit vermeidet fixierte Interpretationen und fördert Perspektivenviel-falt und Verstehen in der Distanz, die für einen toleranten Umgang mit differenten kulturellen Traditionen wichtig sind. Der Toleranzbegriff wird von seinen Gegnern als Ausdruck der Schwäche bzw. Unterwerfung apostrophiert. Danach ist Toleranz ein Akt, der in der Tat die Fremdheit einer Minderheit nicht akzeptiert, sondern mehr oder weniger duldet (Georg Tabori 1991; Barbara Fischer 2003). Aber von ihren Befürwortern wird Duldungstoleranz als Ausdruck religiöser Verge-bung der Fehler der anderen wahrgenommen (Fethullah Gülen 2006; Ahmad Al-Tayyeb 2006). Weder das positive noch das negative Verständnis von Duldungstoleranz können das Verstehen des Fremden in der Distanz widerspiegeln. Die kritische Konzeptualisierung des Fremdverstehens wird im zweiten Teil der Dissertation mit dem Diskurs über ‚Orientalismus‘ und ‚Okzidentalismus‘ einerseits und den Toleranzdis-kursen in der islamischen und der europäischen Welt in Berührung gebracht. Es wird daran aufgezeigt, dass Toleranz nur als aktiver Anerkennungsakt (Alois Wierlacher 1996) die Grund-lage für eine produktive Kommunikation mit dem Fremden und für den Umgang mit kulturel-ler Vielfalt bilden kann. Schlagwörter: Toleranz, aktive Toleranz, Fremdverstehen, Perspektivenvielfalt, kulturelle Vielfalt.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Bayreuth
- Year
- 2013
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Animi, Karim
- Contributors dc:contributor
-
- Otto, Wolf-Dieter
Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://epub.uni-bayreuth.de/id/eprint/103/
- OAI identifier oai:identifier
- oai:epub.uni-bayreuth.de:103