Universität Tübingen
Hochkantschille: Bivalven-Akkumulationen im Wattenmeer. Beschreibung, Taphonomie, Genese sowie zeitliche und räumliche Entwicklung
Abstract
In dieser Arbeit werden rezente Mya arenaria dominierende Schill-Vorkommen innerhalb des Gezeitenbereiches zwischen Jadebucht und Außenelbe untersucht. Ziel ist es Informationen über dessen Aufbau sowie ihrer Genese zu erhalten. Besonders betrachtet werden dabei die bislang selten beschriebenen Hochkantstrukturen. Im 1. Kapitel wird ein Überblick in die Thematik der Schalen-Akkumulationen, das Untersuchungsgebiet sowie der Muschelart M. arenaria gegeben. Das 2. Kapitel beschäftigt sich mit der Beschreibung von drei Schill-Vorkommen. Es folgen detaillierte Aufnahmen der Oberflächenstrukturen sowie mehrerer Reliefgussprofile. Die Ergebnisse zeigen, dass die Akkumulationen hauptsächlich durch laterale Priel-Wanderungen verursacht werden. Aufgrund von Erosionsprozessen werden ehemalige M. arenaria Siedlungshorizonte freigelegt. Durch biostratinomische Prozesse die durch hydrodynamische Ereignisse gesteuert werden entstehen wiederkehrende und charakteristische Lagerungs- und Einregelungsmuster. Aufgrund dessen erfolgt eine allgemeine Einteilung in sieben unterschiedliche Zonenbereiche. Es kann festgestellt werden, dass die ansteigende Morphologie der Schill-Vorkommen eine Veränderung der hydrodynamischen Wirkungsgrenze des Wassers während der Tidenzyklen verursacht und für die unterschiedlichen Lagerungszustände verantwortlich ist. Im 3. Kapitel wird das Schalenmaterial zweier Transekte einer semi-quantitativen Analyse unterzogen bei der fünf Beanspruchungsmerkmale erfasst wurden. Neben bivariaten Korrelationsanalysen und Größenhäufigkeitsverteilungen, werden Regressions- und Korrelationsanalysen durchgeführt sowie das rechts/links Seitenverhältnis der Klappen bestimmt. Ähnlichkeiten in der taphonomischen Beanspruchung zwischen Lagerungszuständen und Ablagerungsbereichen wurden mittels multivariater Datenanalyse erfasst. Die Größenhäufigkeitsverteilungen zeigen Unterschiede zwischen zwei M. arenaria Siedlungshorizonten sowie der Klappenverteilung innerhalb der Vorkommen. Eine Frachtsonderung konnte nur an einem Transekt belegt werden. Die Analysen zeigen, dass der Beanspruchungsgrad des Schalenmaterials mit zunehmender Transportentfernung ansteigt. Während anhaltender Transportbewegungen entlang der Transekte werden die Klappen überwiegend physikalischen Beanspruchungsprozessen ausgesetzt. Erst nachdem sie im rückwertigen Transektbereich abgelagert werden, setzen bioökologischen Prozesse ein. Mit zunehmender Schalengröße steigt der taphonomische Beanspruchungsgrad. Der Erhaltungszustand wird durch hydrodynamische und die daraus resultierenden biostratinomischen Prozesse gesteuert. Die multivariaten Analysen belegen, dass mit der Lagerungsvariation der Klappen auf dem Untergrund sich auch der taphonomische Beanspruchungsschwerpunkt verändert. Infolge dessen wird eine taphonomische Differenzierung aufgrund von Lagerungsanordnungen vorgenommen. Im 4. Kapitel werden durch Experimentreihen in einem Wellenkanal der Geneseprozess sowie die hydrodynamischen Randparameter bestimmt, die zur vertikalen Hochkantstellung von M. arenaria Klappen führen. Ziel der Untersuchung war es Informationen über die Genese von Hochkantschillen zu erhalten. Es gelang die hydrodynamischen Randparameter in einem engen Entstehungsfeld einzugrenzen, welche zu einer vertikalen Einregelung führen. Neben der morphologischen und konzentrationsbedingten Abhängigkeit sind die wichtigsten Randparameter neben der Wassertiefe eine entsprechende Wellenlänge, Wellenperiode und horizontale Teilchengeschwindigkeit. Hochkantschille entstehen im Wellenkanal in einem relativ kleinen Genesefenster. Ihre vertikale Position erhalten sie durch einen periodischen Wellengang. Die einzelnen Schritte der Hochkantschill-Genese konnten entschlüsselt werden. Des Weiteren wurde ein enger Zusammenhang zwischen der Genese und der dazu nötigen Schalenkonzentration nachgewiesen. Im 5. Kapitel wird die zeitliche Entwicklung sowie Veränderung der Schill Flächen untersucht. Ziel war es Informationen über die Entwicklung und Veränderung in Raum und Zeit zu erhalten. Des Weiteren sollte geprüft werden, ob und in welchem Umfang die Schill-Bedeckung mit den hydrodynamischen Prozessen einhergehen. Es wurden systematische Kartierungen auf der Grundlage von Luftbildern durch analoge Auswertungen erfasst und durch Geländeuntersuchungen verifiziert. Zudem wurde eine thematische Verknüpfung von Luftbildkartierung und Wellenparametern durchgeführt. In einem Zeitraum von zehn Jahren stieg die Bedeckung der Schill-Flächen insgesamt um 71,6 %. Schill Vorkommen treten nur in Gezeitenbereichen auf, in denen der Tidenhub höher als 3,2 m beträgt. Aufgrund der Schill-Expansion nimmt die Flächenanzahl durch Anlagerungsprozesse deutlich ab. Das Verteilungsmuster der Schill-Bedeckung und dessen Veränderung in Raum und Zeit ist nicht als zufälliges Ereignis zu deuten, sondern steht im engen Zusammenhang mit den hydrodynamischen Aktivitäten innerhalb des Untersuchungsgebietes.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Federolf, Christian M. J.
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/49285