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Universität Tübingen

Frontokortikale Aktivierungsasymmetrie und Depressivität bei Jugendlichen

Abstract

Das Modell Anteriorer Asymmetrie und Emotion von Richard Davidson geht von der Existenz zweier frontokortikaler Emotionssysteme aus: Ein linksfrontal lokalisiertes System, das mit Annäherungsverhalten und positivem Affekt in Verbindung gebracht wird, sowie ein orthogonales System in der rechten Hemisphäre, das Rückzugsverhalten und negativen Affekt auslöst. Eine Hypoaktivität des linksfrontalen Kortex betrachtet Davidson als Diathese für die Entwicklung depressiver Störungen. Eine Vielzahl von korrelativen Studien mit Erwachsenen, die typischerweise depressive und nicht depressive Probanden hinsichtlich ihrer frontalen Aktivierung vergleichen, stützt Davidsons Modell, wohingegen entsprechende Befunde bei Jugendlichen sowie der Nachweis einer prädiktiven Wirkung der frontalen Aktivierungsasymmetrie für eine künftige depressive Symptomatik weitgehend fehlen. Auf diese beiden Aspekte konzentriert sich die vorliegende Arbeit. In einer prospektiven Längsschnittstudie wurden 83 subklinisch depressive und gesunde Jugendliche elektrophysiologisch zu drei Messzeitpunkten innerhalb eines Intervalls von zwölf Monaten untersucht. Die kortikale Aktivierung wurde über absolute Alphapower- und Asymmetriewerte erfasst. Da Davidson die frontale Aktivierungsasymmetrie als altersunabhängigen Vulnerabilitätsfaktor betrachtet, sollte sie ebenso wie bei Erwachsenen auch bei Jugendlichen hohe zeitliche Stabilität aufweisen. Des Weiteren wurde angenommen, dass depressive Jugendliche eine relative linksfrontale Hypoaktivität im Vergleich zu nicht depressiven Probanden zeigen. Längsschnittlich sollte sich aus der frontalen Aktivierungsasymmetrie beim ersten Messzeitpunkt die depressive Symptomatik nach zwölf Monaten vorhersagen lassen. Zudem wurde untersucht, ob die Tendenz zu ruminativem Denken die Beziehung zwischen frontaler Aktivierungsasymmetrie und Depressivität mediiert. Insbesondere für Alphapowerwerte konnte eine hohe interne Konsistenz der Messwerte sowie hohe Retestreliabilität nachgewiesen werden. Depressive zeigten relative linksfrontale und -parietale Hypoaktivität verglichen mit Nicht-Depressiven bei zwei von drei Messzeitpunkten. Für eine der beiden verwendeten EEG-Referenzierungen ergab sich bei medial-frontalen und parietalen Kortexregionen eine signifikante Vorhersage der späteren depressiven Symptomatik. Lediglich lateral-frontal fand sich keine entsprechende Beziehung. Zwar trat bei Depressiven verstärkt Rumination auf, allerdings wirkte die Variable nicht als Mediator der Beziehung zwischen EEG und späterer Depressivität. Für künftige Studien wird empfohlen, die Beziehungen zwischen kortikaler Aktivierung und Depression im Kontext komplexer Diathese-Stress-Modelle zu betrachten.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Föhl, Ulrich

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
hdl:10900/49016

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source
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Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
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Föhl, Ulrich. Frontokortikale Aktivierungsasymmetrie und Depressivität bei Jugendlichen. 2007.