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Universität Tübingen

Vom Luxusgut zum Liebesbeweis: Zur sozialen Praxis und symbolischen Bedeutung des selbstgebackenen Kuchens

Abstract

Die „Kuchenkultur“ entfaltete sich in Deutschland vor allem innerhalb der privaten und familiären Welt als Teilbereich der Alltagskultur im 20. Jahrhundert. Kuchen war zunächst Luxus(gut) und wurde als etwas Besonderes populär, er entwickelte sich mit dem Sonntagnachmittagskaffee und dem Selbstbacken zu einem verbreiteten Phänomen der Alltagskultur. Dennoch (oder gerade deswegen) gilt Kuchen noch heute als „etwas Besonderes“ (Interviewzitat). Letztendlich verbinden die Deutschen mit dem Kuchen offenbar emotionale Motive. Doch wie kam es dazu? Wie konnte Kuchen eine solch starke emotionale Bindung und Mobilisation erreichen? Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der Kuchenkultur als Teil der populär-familiären Kultur im gegenwärtigen Deutschland. Sie rekonstruiert mit Methoden der Feldforschung wie Interviews und teilnehmender Beobachtung sowie anhand zeitgenössischen Materials und Statistiken die Entwicklung der Kuchenkultur hin zur popularisierten Besonderheit. Herausgearbeitet wird dabei vor allem die Metamorphose ihrer symbolischen Bedeutung vom Luxus zu einem Element familiärer Nähe. Die Untersuchung basiert hinsichtlich der Phase der Einbettung in die mittleren und unteren Gesellschaftsschichten als Luxusgut auf historischen Quellen. Die Feldforschung erfolgte primär in Südwestdeutschland; Daten aus dem Archiv der Firma Dr. Oetker sowie zeitgenössische Illustrierte wurden für die Darstellung der Entwicklungs- und Stabilisierungsphase herangezogen. Bis sich die Kuchenkultur in ihrer heutigen Form entwickeln konnte, beeinflussten vor allem soziale, aber auch wirtschaftliche und politische Faktoren das Phänomen Kuchen auf vielfältige Weise. Gerade diese komplexen Einflüsse – von ‚kulturräumlichen‘ Besonderheiten, über technische Innovationen, zwei Weltkriege, das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre, bis hin zu gesellschaftlichen Veränderungen etwa gegenüber moralischen Normen – lassen Kuchen als Phänomen wiederum zu einem wichtigen Schlüssel der (Sozial-)Geschichte in den Bereichen Nahrung, Emotion und Geschlecht werden. Sie geben ihm die Möglichkeit, etwas spezifisch Deutsches – eine eigene Kultur – zu werden und zu bleiben.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Sakuragi, Satsuki

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
hdl:10900/47880

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source
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Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
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Sakuragi, Satsuki. Vom Luxusgut zum Liebesbeweis: Zur sozialen Praxis und symbolischen Bedeutung des selbstgebackenen Kuchens. 2011.