Universität Tübingen
Organisationen im Spiegel der Regula Benedicti - eine hermeneutische Interpretation der benediktinischen Regel im Kontext der Lernenden Organisation
Abstract
Die Studie geht von neueren Konzepten der Organisationsentwicklung als organisationales Lernen aus und untersucht unter Anwendung der hermeneutischen Methode die benediktinische Regel. Die Benediktsregel stammt aus dem 6. Jahrhundert und ist die geistliche Grundlage des Benediktinerordens; sie regelt bis heute das Leben der benediktinischen und anderer klösterlicher Gemeinschaften. Im Rahmen der Untersuchung wird geklärt, welche Hinweise für Gestaltung und Veränderung von Organisationen die Regel enthält und was sich davon auf aktuelle Herausforderungen eines entwicklungsorientierten Managements übertragen lässt. Im ersten Teil (A – Grundlagen) wird ein theoretisches Rahmenkonzept erstellt, aus dem sich ein Auswertungsraster für die nachfolgende Analyse ableiten lässt. Als Struktur optimaler Reichweite werden drei Dimensionen der Organisationsgestaltung und drei Stufen organisationalen Lernens unterschieden. Der zweite Teil (B – Hermeneutische Analyse und Rezeption) dokumentiert den hermeneutischen und wertfreien Zugang zur Regula Benedicti im Sinne einer historischen Rekonstruktion. Der darauf aufbauende dritte Teil (C – Adaption und Interpretation) nimmt dann die kritische Würdigung und eine aktuelle Reinterpretation der Befunde vor. Die Studie arrondierend werden im Schlusskapitel (D – Ertrag und Anschlüsse) die Ergebnisse in einer neuen und eigenen Systematik zusammenfassend vorgetragen, auf aktuelle Forschungsansätze und –konzepte bezogen sowie entsprechende Forschungsdesiderata formuliert. Unter Berücksichtigung grundlegender erwachsenenpädagogischer Denk- und Argumentationsfiguren lassen sich die Befunde im Spannungsfeld der Dilemmata „Wertrationalität und Zweckrationalität“ und „Stabilität und Flexibilität“ diskutieren. Die Studie zeigt die Bedeutung von Werten in Organisationen auf, die sich in der Alltagskultur abbilden und somit wesentliche Sozialisationsbedingungen für die Organisationsmitglieder darstellen. Während der Tenor im Diskurs um Lernende Organisation allzeitige Veränderungsbereitschaft postuliert, lässt sich aus dieser Untersuchung ein Plädoyer für Stabilität im Sinne einer organisationalen Identität ableiten. In einem integrativen Verständnis organisationalen Lernens wird dieses Lernen auf den Bildungsbegriff bezogen und durch ihn bestimmt. Diese bildungstheoretische Verortung tritt für den Subjektstatus der Lernenden in der Organisation ein.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
-
- Reiber, Karin Eleonore
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/47272