Universität Tübingen
Validierung eines neuen Tokographietransducers mit integriertem Photoplethysmographie-Sensor zur Bestimmung der maternalen Pulsfrequenz
Abstract
Hintergrund: Als wesentlicher diagnostischer Parameter zur Überwachung des Feten während Schwangerschaft und Geburt dient das Verlaufsmuster der kindlichen Herzfrequenz. Dieses wird routinemäßig im Rahmen der Kardiotokographie mittels Doppler-Sonographie-Verfahren aufgezeichnet und beurteilt. Hierbei kann fälschlicherweise anstelle der fetalen die maternale Herzfrequenz erfasst werden, woraus Fehleinschätzungen des kindlichen Befindes resultieren können. Folge sind unnötige ärztliche Interventionen einerseits oder aber neonatale Asphyxie bis hin zum Fruchttod andererseits. Bisher wird jedoch weitgehend auf eine kontinuierliche Ableitung der maternalen Herzfrequenz verzichtet, nicht zuletzt um Komforteinbuße und weitere Pathologisierung von Schwangerschaft und Geburt für die Patientin zu vermeiden. Ziel: Evaluation eines modifizierten Tokographietransducers der Firma Philips Medizin Systeme GmbH im Rahmen der klinischen Routine, der mittels zweier integrierter Infrarotdioden kontinuierlich den maternalen Puls erfasst und diesen per Koinzidenzanalyse mit der fetalen Herzfrequenz vergleicht. Methodik: Nach Einverständnis der Patientin wurde parallel zum Kardiotokogramm mit modifiziertem Tokographietransducer über 30 min thorakal ein Standard-EKG abgeleitet. Die Messdaten wurden nach Qualität und Quantität ausgewertet, wobei die Qualität definiert war als Grad der Übereinstimmung von abdominellem Pulssignal und Frequenz der EKG-Ableitung, die Quantität als Anteil der tatsächlichen Messzeit des Bauchpulssensors an der theoretisch möglichen. Um zu überprüfen, ob die Methode nur für ein bestimmtes Patientenkollektiv geeignet ist, wurden diese Zielgrößen zunächst für eine antepartale Referenzpopulation bestimmt und anschließend mögliche Einflussgrößen untersucht: BMI, Hautfarbe, Schwangerschaftsalter, maternale Lage und Besonderheiten der Bauchhaut im Bereich des Transducers. Zusätzlich wurde die Methode intrapartal ausgewertet. Ergebnisse: Die antepartale Referenzpopulation (n=89) zeigte eine mittlere Abweichung des abdominellen Pulssignals von 0,16 bpm (SD 2,12) vom Standard-EKG. Über jeweils 30 min Messzeit ergab sich eine mittlere Messqualität von 96,94 % (SD 3,23) mit einem 95%-Konfidenzintervall von 96,26-97,62 %. Die Messqualität der einzelnen Einflussgrößen lag entweder innerhalb dieses 95%-Konfidenzintervalls der Referenzpopulation oder wich nur geringfügig davon ab. Die intrapartalen Messungen (n=16) zeigten mit 92,42 % (SD 9,27) eine etwas verminderte mittlere Messqualität. Die Messquantität der Referenzpopulation lag im Mittel bei 86,13 % (SD 14,58) mit einem 95%-Konfidenzintervall von 83,06-89,21 %. Für die einzelnen Einflussgrößen ergaben sich Quantitätswerte, die innerhalb oder geringfügig oberhalb dieses 95%-Konfidenzintervalls lagen. Intrapartal lag auch die mittlere Messquantität mit 75,97 % (SD 19,27) deutlich unter der Quantität der antepartalen Referenzpopulation. Schlussfolgerung: Die neue Methode der abdominellen Pulserfassung im Rahmen einer CTG-Aufzeichnung misst – unabhängig von den untersuchten Einflussgrößen – antepartal mit zuverlässiger Qualität und ausreichender Quantität die mütterliche Herzfrequenz. Dabei bietet sie durch die Integration im Tokographietransducer einen hohen Patientenkomfort. Intrapartal zeigte sich eine schlechtere Messqualität und quantität. Dies mag jedoch unter anderem der intrapartal größeren Bewegungsunruhe der kreißenden Patientin anzulasten sein, da in dieser Studie die Aufzeichung des abdominal gemessenen maternalen Pulses nicht verfolgt werden konnte und somit eine Lagekorrektur des Tokographietransducers bei Verschlechterung der Untersuchungsbedingungen ausblieb.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Spreemann, Judith Isabel
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45902