Universität Tübingen
Kann das Substrat ventrikulärer Tachykardien im Sinusrhythmus identifiziert werden? Die nicht-ischämische Kardiomyopathie als Herausforderung für eine Katheterablation
Abstract
Hintergrund: Die substratorientierte Ablation ventrikulärer Tachykardien (VT) bei Patienten nach Myokardinfarkt kann durch endokardiale Elektrogrammcharakteristika im Sinusrhythmus geleitet werden. Die Bedeutung von fraktionierten Elektrogrammen für eine Identifizierung von Arealen mit Ursprung klinischer VTs bei nicht-ischämischen Kardiomyopathie (NICM) wurde in der vorliegenden Studie untersucht. Methoden: 11 Patienten (8 männlich, 3 weiblich, mittlere LVEF 31 ± 11 %) wurden im Zeitraum vom Februar 2005 bis März 2008 einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) unterzogen. Es wurde eine substratorientierte Ablation durchgeführt mit dem Ziel lokal verzögerte, fraktionierte Potentiale mit einer bipolaren Spannungamplitude von < 1,5 mV in bis zu 1 cm Umkreis um die beste VT-Pace-Map-Position zu abladieren. Der linke Ventrikel wurde in 17 Segmente eingeteilt und Segmente im Bereich des besten VT-Pace-Maps als arrhythmogenes Areal definiert. Als Kontrollareale wurden Areale mit räumlichem Abstand zum arrhythmogenem Areal definiert. Die bei der elektrophysiologischen Untersuchung des linken Ventrikels im Sinusrhythmus und/ oder während ventrikulärem Pacing aquirierten Elektrogramme wurden durch die Parameter bipolare Amplitude, Elektrogrammdauer, Anzahl der positiven Spitzen sowie Anzahl der Nulldurchgänge und daraus abgeleiteter Fraktionierung charakterisiert. Die Komplexität der Elektrogramme zwischen Arealen mit und ohne Ursprung klinisch relevanter VTs wurden durch Vergleich der Elektrogramme in arrhythmogenen Arealen, in nicht arrhythmogenen Kontrollarealen sowie im restlichen linken Ventrikel analysiert und differenziert. Ergebnisse: Bei allen Patienten konnten fraktionierte Elektrogramme mit einer Amplitude < 1,5 mV registriert werden. Der Anteil dieser Elektrogramme betrug im Mittel 27 % ± 19%. Bei 9 der 11 Patienten konnte das arrhythmogene Areal mit Hilfe der untersuchten Elektrogrammkriterien abgegrenzt werden. 4 Patienten zeigten in der Mehrzahl der Charakteristika signifikante Unterschiede. Bei 2 der 11 Patienten konnte das arrhythmogene Areal durch die untersuchten Kriterien nicht identifiziert werden. Die Elektrogrammbreite sowie die mittlere Fraktionierung erlaubten am besten eine Identifizierung arrhythmogener Areale. Die Potenialdauer korrelierte positiv mit der Anzahl der positiven Spitzen (r = 0,88, p < 0,001). Bei allen Patienten konnte eine Reduktion der schockpflichtigen Ereignisse erreicht werden. 6 von 11 Patienten blieben im durchschnittlichen Follow-up Zeitraum von 16 ± 10 Monaten ohne schockpflichtige Episoden. Schlussfolgerung: Das Kathetermapping erheblich verbreiterter und fraktionierter Elektrogramme in Niederspannungsarealen ermöglicht es bei einem Teil der Patienten mit NICM das arrhythmogene Areal zu charakterisieren. Fraktionierte Elektrogramme mit niedriger Amplitude sind sensitiv, jedoch nicht spezifisch für das arrhythmogene Areal, so dass sich die Ablation ventrikulärer Tachykardien bei NICM nicht generell und aussschließlich an Elektrogrammkriterien orientieren kann. Konventionelle VT-Mappingverfahren scheinen weiterhin zur erfolgreichen Ablation ventrikulärer Tachykardien bei NICM essentiell zu sein.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Girrbach, Felix Frederic
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45797