Universität Tübingen
Untersuchung der Herzfunktion und -morphologie bei Niereninsuffizienz unter Einfluss der Peritonealdialyse; Vergleich mit Hämodialyse
Abstract
Die Studienteilnehmer leiden alle an einer terminalen Niereninsuffizienz, bei der Folgekrankheiten mit Einfluss auf das kardiovaskuläre System entstehen. Kardiovaskuläre Erkrankungen gelten als die Haupttodesursache bei dieser Grunderkrankung. Fast alle Studienteilnehmer weisen einen sekundären Hyperparathyreodismus auf, der aus einer Hyperphosphatämie und/oder einem Mangel an Kalzitriol resultierte. Eine Folge der chronischen Niereninsuffizienz (CNI) ist die renale Anämie, die auch durch einen Mangel an Erythropoetin oder den chronischen Entzündungszustand bedingt sein kann. Neben der renalen Anämie ist die arterielle Hypertonie ein relevanter kardiovaskulärer Risikofaktor, der durch die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und die sympathische Hyperaktivität bei CNI begünstigt wird. In der vorliegenden Studie wurde nun das Herz durch die kardiale Kernspintomographie (cMRI) in Bezug auf die Morphologie, die Funktion und die Perfusion untersucht. Eine morphologische Veränderung am Myokard wie eine Dilatation oder eine linksventrikuläre Hypertrophie, was für Dialysepatienten typisch wäre, konnte nur bei 21,7 % gefunden werden, wobei die Anämie und die arterielle Hypertonie als Risikofaktoren durchaus vorlagen. Die Peritonealdialyse (PD), die von allen untersuchten Patienten im Rahmen der terminalen Niereninsuffizienz angewendet wurde, wirkt sich also offensichtlich eher positiv auf die Herzmorphologie aus. Herzklappenfehler konnten in dieser Studie bei 34,8 % der Patienten festgestellt werden und traten stets in Verbindung mit erhöhten Entzündungswerten und/oder einer Hyperphosphatämie auf. Ein Pleura- und/oder ein Perikarderguss war nur bei 13 % nachweisbar. Für fast alle Patienten zeigte sich eine normale linksventrikuläre Funktion bei normaler Ejektionsfraktion (EF) und insgesamt relativ unauffälligen, normalen Herzfunktionsparametern (PCP) wie Schlagvolumen (SV), Schlagvolumenindex (SI), Herzzeitvolumen (CO) und Herzzeitvolumenindex (CI). Selbst Hypokinesien oder morphologische Veränderungen wirkten sich nicht wesentlich auf die Herzfunktion aus. Auch die Herzperfusion war bis auf drei Fälle nicht beeinträchtigt. Es konnten also bei der Herzmorphologie, funktion und perfusion nur in Einzelfällen Abweichungen von der Norm festgestellt werden. Weiterhin wurde das Auftreten kardiovaskulärer Risikofaktoren im Kollektiv untersucht. Bei Korrelationen von PCP mit dem Alter, dem Geschlecht, dem Nikotinabusus, der Dialysedauer und sämtlichen Laborparametern ergaben sich keine signifikanten Ergebnisse, so dass diese Parameter als Einflussfaktoren bei den Studienpatienten ausgeschlossen werden konnten. Bei der Beobachtung des Auftretens einer kardiovaskulären Erkrankung stellten sich die arterielle Hypertonie, die Hyperlipidämie, die Anämie, der Hyperparathyreodismus, die Hyperhomozysteinämie, der chronische Entzündungszustand und Elektrolytentgleisungen als durchaus relevante Risikofaktoren im Kollektiv heraus. Einen wesentlich geringeren Einfluss hatten dagegen die Adipositas, Diabetes mellitus, ein abnormer Glukosemetabolismus, eine positive Familienanamnese und die Hypoalbuminämie. Es konnte also beobachtet werden, dass die Risikofaktoren, die speziell mit einer Urämie verbunden sind, einen stärkeren Einfluss auf die Entstehung einer kardiovaskulären Erkrankung haben als die allgemeinen Risikofaktoren. Die oben genannten PCP sowie weitere Parameter wurden mittels Impedanzkardiographie (IKG) gemessen. Anschließend wurde ein Vergleich mit der cMRI gezogen, um diese Messmethode zu beurteilen. Wie schon mehrfach in der Literatur beschrieben wurde, misst die IKG nicht zuverlässig genug. Lediglich für die EF konnte ein annehmbarer Quotient mit der Kernspintomographie errechnet werden. Die Richtigkeit der weiteren gemessenen und ausgewerteten Parameter der IKG wie thorakaler Flüssigkeitsgehalt (TFC), pulmonalkapillärer Verschlussdruck (PCWP), systemischer Gefäßwiderstandsindex (SVRI), Präejektionsperiode (PEP) und linksventrikuläre Austreibungszeit (LVET) muss also in Frage gestellt werden. Die durch die cMRI gemessenen PCP von PD-Patienten wurden mit denen von Hämodialyse (HD) - Patienten verglichen. Dabei stellten sich signifikante Differenzen bei der absoluten und der normalisierten Herzmasse sowie bei CO und CI vor HD heraus. Bei den HD-Patienten waren die Werte stets höher, was auf das charakteristische „hypertrophe HD-Herz mit erhöhtem CO“ schließen lässt. Unter PD zeigen sich also im Vergleich zur HD weniger morphologische und funktionelle Herzveränderungen. Bei der Betrachtung der Herzfunktionsparameter der PD-Patienten, die zuvor mit HD behandelt wurden, konnten aufgrund der geringen Anzahl an Betroffenen keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Bächler, Eva
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45716