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Universität Tübingen

Das Tübinger Patientenkollektiv mit einem Kurzdarmsyndrom benigner Ätiologie - eine Betrachtung über 26.278 Tage unter parenteraler Ernährung -

Abstract

Das Kurzdarmsyndrom ist ein seltenes Krankheitsbild mit einer Prävalenz von etwa 3 pro 1 Million und charakterisiert durch einen Verlust eines großen Teils der enteralen Resorptionsfläche mit oftmals dauerhafter Abhängigkeit von parenteraler Ernährung (parenteral nutrition, PN). Komplikationen der parenteralen Ernährung sind häufig katheterassoziiert: Katheter-Septikämien, Okklusionen, der Verlust zentralvenöser Zugangswege durch Thrombosierung; aber auch die PN-assoziierte Leberschädigung, eine dauerhafte Beeinträchtigung der Nierenfunktion und PN-assoziierte Knochenstoffwechselstörungen. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Zusammenhänge zwischen Grunderkrankung, Art und Zusammensetzung der parenteralen Ernährungsregime und Häufigkeit sowie Ausprägung infektiöser und renaler Komplikationen zu charakterisieren. Die Betrachtung erfolgte retrospektiv anhand von 17 Patienten über insgesamt 26278 Tage parenteraler Ernährung. Im untersuchten Kollektiv waren M.Crohn und mesenteriale Ischämien mit jeweils 35,5% der Fälle die häufigsten zugrunde liegende Diagnosen des Kurzdarmsyndroms. Die durchschnittliche Restdünndarmlänge betrug 94,4 cm bei einer durchschnittlichen Dauer der parenteralen Ernährung von 4,2 Jahren pro Patient. 50,0% der Patienten erhielten dabei ein individuell zusammengestelltes parenterales Ernährungsregime, 43,8% wurden aus Standardbeuteln ernährt. Über den Beobachtungszeitraum hinweg ereigneten sich 89 katheterassoziierte Sepsisepisoden, entsprechend 3,4 infektiösen Ereignissen pro 1000 PN-Tagen bzw. 1,2 Septitiden pro PN-Jahr. Das Erregerspektrum differierte dabei nicht wesentlich von den Angaben in anderen Arbeiten. Insgesamt waren 51 intravenöse Portsysteme implantiert, was einem Portverbrauch von durchschnittlich 1,9 Portsystemen pro 1000 PN-Tagen und einer durchschnittlichen Portverweildauer von 382 Tagen entspricht. Individuell bzw. aus Standardbeuteln ernährte Patienten erlitten durchschnittlich 7,4 respektive 5,0 katheterassoziierte Infektionen pro 1000 PN-Tage und benötigten 3,1 respektive 7,1 Ports im gleichen Zeitraum. Daraus folgern wir, dass es bei individuell ernährten Patienten häufiger gelungen sein muss, katheterassoziierte Septikämien konservativ zu therapieren. Individuell zusammengestellte Ernährung kann also zu einer Reduktion der Portexplantationen beitragen und somit dem Verlust zentralvenöser Zugangsmöglichkeiten vorbeugen. Patienten mit M. Crohn als Grunderkrankung wurden in 83,3% individuell parenteral ernährt, Patienten mit Non-Crohn-Diagnosen nur in 44,4%. Non-Crohn-Patienten wiesen eine häufigere Notwendigkeit zum Portwechsel auf, bedingt durch seltenere Erfolge bei der konservativen Portsanierung im Vergleich zu Crohn-Patienten. Unter parenteraler Ernährung nahm die glomeruläre Filtrationsrate im untersuchten Kollektiv um 3,8% pro Jahr ab. Patienten mit M.Crohn wiesen dabei eine durchschnittliche GFR-Zunahme von 6,7%, Patienten mit anderen Grunderkrankungen eine GFR-Abnahme um -11,6% pro Jahr auf. Bei aus Standardbeuteln ernährten Patienten erfolgte die GFR-Abnahme pro PN-Jahr mit -7,5% erheblich rascher als bei individuell ernährten Patienten mit -1,0%. M.Crohn als Grunderkrankung und individuell zusammengestellte Ernährungslösungen stellen demzufolge nephroprotektive Faktoren dar. Die gewonnenen Erkenntnisse legen darüber hinaus nahe, dass die dem Kurzdarmsyndrom zugrundeliegenden Erkrankung und die Zusammensetzung der parenteralen Ernährung eine größere Bedeutung für die Entwicklung von Komplikationen hat als bisher angenommen. Dasselbe gilt für den langfristigen Einfluss auf die Nierenfunktion, die durch katheterassoziierte Infektionen weniger kompromitiert wird als durch ein nicht angepasstes Ernährungsregime.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Roggenbrod, Sebastian

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
hdl:10900/45667

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Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
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Roggenbrod, Sebastian. Das Tübinger Patientenkollektiv mit einem Kurzdarmsyndrom benigner Ätiologie - eine Betrachtung über 26.278 Tage unter parenteraler Ernährung -. 2010.