Universität Tübingen
Rezidivmuster bei neu diagnostizierten Glioblastomen: Rolle der Temozolomid-Chemotherapie
Abstract
Glioblastome sind die häufigsten primären Hirntumore. Das mediane Überleben liegt trotz multimodaler Therapie mit Resektion, Bestrahlung und Chemotherapie unter einem Jahr. Das invasive Wachstumsverhalten der Glioblastome trägt wesentlich zu deren bösartigen Eigenschaften bei. In präklinischen Untersuchungen wurde gezeigt, dass die Radiotherapie in geringen, subletalen Dosen die Migration von Gliomzellen fördern kann. Dieser unerwünschte proinvasive Effekt einer Bestrahlung konnte durch Zugabe des alkylierenden Chemotherapeutikums Temozolomid vermindert werden. In der multizentrischen, randomisierten Phase-III Studie EORTC 26981-22981/NCIC.CE3 verlängerte Temozolomid das Überleben der Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom, wenn es begleitend und adjuvant zur Bestrahlung eingesetzt wurde. In die vorliegende Arbeit wurden 63 Patienten mit einem Glioblastom aus der EORTC 26981-22981/NCIC.CE3-Studie eingeschlossen. Die Rezidivmuster in den Behandlungsarmen A (Radiotherapie alleine) und B (Radiotherapie sowie begleitende und adjuvante Chemotherapie mit Temozolomid) wurden durch Analyse der Tumorlokalisation vor und nach Therapie miteinander verglichen. Dabei sollten die Hypothesen überprüft werden, ob eine kombinierte Radio-Chemotherapie gegenüber der alleinigen Bestrahlung vermehrt zu lokalen Rezidiven führt, da Temozolomid die möglichen pro-invasiven Effekte der Bestrahlung aufhebt, oder ob aufgrund des verlängerten progressionsfreien Überlebens der Patienten in diesem Behandlungsarm mehr distante Rezidive nachweisbar sind. Hierzu wurden Kernspintomographien mit Hilfe des frei erhältlichen Computerprogramms MRIcro ausgewertet. Dabei wurde die Lage der Tumoren dreidimensional in alle Schichtebenen eines genormten menschlichen Gehirns übertragen. Mit MRIcro konnte dann eine Analyse der Lage des Rezidivs gegenüber dem Ausgangstumor durchgeführt werden. Es konnte kein Unterschied im Rezidivmuster zwischen den Patienten mit Radio-Chemotherapie oder Bestrahlung alleine beobachtet werden. Somit fanden die präklinischen Untersuchungen zum Einfluss von Temozolomid auf proinvasive Effekte der Bestrahlung hier keine klinische Entsprechung. Allerdings konnte im Rahmen dieser Arbeit ein neues Instrument für die gruppenweise Rezidivmusteranalyse bei hirneigenen Tumoren etabliert werden, das bei der Entwicklung von zielgerichteten, z.B. antiangiogenen Therapien hilfreich sein kann.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Eisele, Anna-Carina
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45593