Universität Tübingen
Dammrisse III. Grades in der Universitätsfrauenklinik Tübingen 1974-1983: Funktionelle Langzeitergebnisse nach 25 Jahren
Abstract
HINTERGRUND: Immer mehr schwangere Frauen entscheiden sich heutzutage für einen Kaiserschnitt als Geburtsmodus, weil sie, neben der besseren Planbarkeit, Angst vor Geburtsverletzungen und deren potenziellen Spätfolgen haben. Über die funktionellen Langzeitergebnisse nach Dammrissen III. Grades gibt es bisher nur sehr wenige Daten. Ziel unserer Studie war es, Frauen, die vor vielen Jahren (25-34) einen Dammriss III. Grades erlitten hatten, mittels eines Fragebogens nach ihrem derzeitigen Befinden und insbesondere nach ihrem rektoanalen Kontinenzstatus in einem telefonischen Interview zu befragen, um Schwangere heute besser beraten zu können. METHODEN: Von 460 Patientinnen, die in den Jahren 1974-1983 in der Universitätsfrauenklinik Tübingen im Zuge ihrer Entbindung eine Sphinkterverletzung erlitten hatten, wurden alle verfügbaren Daten bezüglich Entbindung und Geburtsverletzung ausgewertet. Mit einem Kollektiv von 100 Patientinnen konnte ein erfolgreiches Telefon-Interview geführt werden. Die erhaltenen Daten wurden statistisch mittels Whole Model Test und Fisher’s Exact Test ausgewertet. ERGEBNISSE: Von jährlich durchschnittlich 2100 Frauen, die zwischen 1974-1983 in der UFK entbanden, erlitten 2,1% (n=45) eine Sphinkterverletzung (Dammriss II. Grades oder Sphinkterotomie). Als Risikofaktoren hierfür konnten eine Episiotomie, vaginal-operative Entbindungsmodi und Nulliparität gefunden werden. Von den 100 befragten Frauen, wiesen 39% (n=39) rektoanale Inkontinenzsymptome auf, davon bei 67% (n067) mit Beginn vor der Menopause. Als Risikofaktoren für rektoanal Inkontinenz konnten neben der Sphinkterverletzung, vaginal-operative Entbindungsmodi, vaginale Folgegeburten, gynäkologische Operationen, als körperlich anstrengend eingeschätzter Beruf, sowie Rauchen länger als 5 Jahre aufgezeigt werden. Aufgrund des langen Follow-ups und der damit einhergehenden Fallzahl (n=100), waren die Ergebnisse statistisch nicht signifikatn. SCHLUSSFOLGERUNG: Unabhängig vom Kontinenzstatus hätten 89% (n=89) der befragten Frauen im Rückblick einen Kaiserschnitt einer vaginalen Entbindung nicht vorgezogen. Auch wenn eine vaginale Entbindung das Risiko von Sphinkterverletzungen birgt (in 2%) und diese auch nach 25-34 Jahren mit rektoanalen Inkontinenzsymptomen korreliert sein können (in 39%), stellt die vaginale Entbindung, gemäß unserer Zahlen, den präferierten Entbindungsmodus dar. Die Indikation zum Kaiserschnitt sollte wohl erwogen sein.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Gramlich, Nathanja
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45591