Universität Tübingen
Risikofaktoren für das Auftreten einer Anastomoseninsuffizienz nach konventioneller Operation wegen eines Kolonkarzinoms in den Jahren 2000 - 2004
Abstract
Einleitung: Eine postoperative Anastomoseninsuffizienz ist eine gefürchtete Komplikation in der kolorektalen Chirurgie, da sie ist mit einer hohen Morbidität und Letalität behaftet ist. Ziel dieser retrospektiven Arbeit war zu untersuchen, welche Faktoren das Auftreten einer Anastomoseninsuffizienz nach Eingriff am Kolon erhöhten. Material und Methodik: Um eine möglichst homogene Patientengruppe zu erhalten, wurden nur Patienten ausgewählt, die in den Jahren 2000 - 2004 in der Klinik für Allgemeine Chirurgie am Universitätsklinikum Tübingen wegen eines Kolonkarzinoms offen operiert wurden. Patienten, die wegen anderer Ursachen am Dickdarm oder wegen eines Rektumkarzinoms operiert wurden, sind ausgeschlossen worden. Die demographischen, operativen und postoperativen Daten sowie relevante Begleitkrankheiten wurden retrospektiv anhand der Krankenakten erhoben. Zunächst erfolgte die Auswertung des gesamten Patientengutes. Danach folgte eine getrennte Auswertung der Patienten mit und ohne Anastomoseninsuffizienz in Abhängigkeit des untersuchten Risikofaktors, um den Einfluss des einzelnen Faktors zu bestimmen. Ergebnisse: Von den insgesamt 399 operierten Patienten (230 Männer und 169 Frauen) entwickelten 27 eine Anastomoseninsuffizienz (6.8%). Die Patienten mit einer Insuffizienz hatten alle eine signifikant längere Verweildauer mit einer Klinikliegezeit von durchschnittlich 33.3 Tagen (p<0.001). Als signifikante Risikofaktoren für das Entstehen einer Anastomoseninsuffizienz konnten ein hoher Body-Mass-Index (p=0.02), ein hoher ASA-Grad (p=0.005) und eine lange Operationsdauer (p=0.024) herausgearbeitet werden. Der Faktor „männliches Geschlecht“ verfehlte knapp die statistische Signifikanz (p=0.053). Die Untersuchung weiterer Faktoren (insbesondere internistische Vorerkrankungen und operative Parameter wie z. B. Anastomosentechniken) ergab keine relevante Risikoerhöhung. Schlußfolgerung: Die in dieser Arbeit ermittelte Insuffizienzrate von 6.8% liegt im Vergleich mit der Literatur der vergangenen 25 Jahren (1.6% - 16%), im mittleren Bereich. Die meisten Studien, die sich mit der Inzidenz und den potentiellen Risikofaktoren für eine Anastomoseninsuffizienz beschäftigen, fassen Kolon- und Rektumresektionen zusammen, was ein Vergleich mit den in dieser Arbeit erhobenen Daten erschwert. Die hier ermittelten Risikofaktoren sind in der Literatur ebenfalls beschrieben. Keine der internistischen Vorerkrankungen wurde als singulärer Risikofaktor verifiziert. Der ASA-Grad als ein Maß für die allgemeine Schwere der Erkrankung eines Patienten zeigte sich jedoch eindeutig als Risikofaktor. Ob die längere Operationsdauer per se oder äußere Umstände, welche die Operationszeit verlängert haben, zu der erhöhten Insuffizienzrate führten, bleibt zu diskutieren.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Oswald, Jochen
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45418