Universität Tübingen
Neuartig beschichtete Hohlfaseroxygenatoren: Aktivierungspotential und klinischer Einsatz
Abstract
Entzündungsreaktionen und Gerinnungsstörungen nach Operationen mit extrakorporaler Zirkulation (EKZ) werden als Postperfusionssyndrom (PPS) bezeichnet und sind wesentlich an postoperativer Morbidität und Mortalität in der Herzchirurgie beteiligt. Die pathophysiologischen Vorgänge umfassen die Aktivierung und Schädigung verschiedenster humoraler und zellulärer Systeme wie Gerinnung, Fibrinolyse, Komplementsystem, Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten. In der hier vorliegenden randomisierten und doppelblinden Studie sollte der Einfluss der Beschichtung des Oxygenators auf diese Systeme geklärt werden. Hierzu wurden klinische und Laborparameter von 36 männlichen Patienten erhoben, die sich bei koronarer Herzkrankheit einer elektiven aortokoronaren Bypassoperation unterzogen. Dabei wurde entweder ein Oxygenator mit Phosphoryl-cholinbeschichtung (Synthesis, n=19) oder ohne Beschichtung (Monolyth, n=17) eingesetzt. Blutentnahmen mit Bestimmung von Hb, Erythrozyten-, Leukozyten- und Thrombozytenzahl sowie TCC (Terminaler Komplementkomplex), TAT (Thrombin Antithrombin III Komplex) und Tumornekrosefaktor sCD40L erfolgten AZP1=präoperativ, AZP2=nach 20 Minuten EKZ, AZP3=am Ende der EKZ, AZP4=6 Stunden nach Ende der EKZ, AZP5=24 Stunden nach Ende der EKZ, AZP6=72 Stunden nach Ende der EKZ. Bei biometrischen Daten und präoperativen Parametern ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. EKZ- und OP-Dauer waren in der Monolyth-Gruppe länger als in der Synthesis-Gruppe (98 vs. 85 min; bzw. 225 vs. 199 min), und auch die Anzahl operierter Bypässe war in der Gruppe mit dem unbeschichteten Oxygenator größer, allerdings waren die Unterschiede nach Bonferroni Korrektur nicht signifikant. Die weiteren operativen Parameter zeigten praktisch keine Unterschiede. Im postoperativen Verlauf etwa bei Blutverlust über die Thoraxdrainage und deren Liegezeit, Transfusionsbedarf, Dauer der künstlichen Beatmung und des Aufenthaltes auf Intensiv- und Wachstation sowie des gesamten Klinikaufenthaltes konnten ebenfalls keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Auch die gemessenen Laborparameter der beiden Gruppen unterschieden sich zu keinem Zeitpunkt nach Bonferroni Korrektur signifikant, obwohl die Unterschiede vor dieser statistischen Korrektur beträchtlich und im t-Test signifikant waren: Bei den hämatokritkorrigierten Hb-Werten fielen niedrigere Werte in der Synthesis-Gruppe auf, am deutlichsten bei AZP 2 (13,4 vs. 14,6 g/dl; p=0,029). Die Komplementaktivierung war in der Phosphorylcholin-Gruppe ausgeprägter als in der unbeschichteten Gruppe (TCC 2576,4 vs. 1373,8 ng/ml bei AZP3; p=0,002). Die Bedeutung dieses Befundes hinsichtlich des PPS ist jedoch auch vor dem Hintergrund der publizierten Literatur unklar. Eine Beschichtung der Fremdoberflächen der EKZ hat auch bei zahlreichen anderen Substanzen keine wesentlichen klinischen Vorteile erbracht mit Ausnahme der Heparin-Beschichtung bei langdauernder EKZ wie bei bestimmten Herzunterstützungssystemen. Problem dieser Studien ebenso wie bei der hier vorgelegten ist, dass für abgesicherte signifikante Unterschiede bei den zahlreichen Einflußvariablen so große Patientenzahlen erforderlich sind, dass eine praktische Umsetzung kaum verwirklichbar ist. Andererseits ist die tatsächliche klinische Bedeutung vieler Laborparameter wie etwa der Komplementaktivierung noch nicht geklärt.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Müller, Sabine
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45382