Universität Tübingen
Reintonaudiometrie in klinischen Studien zur Hörsturztherapie:Die Bedeutung der Auswahl des Zielkriteriums
Abstract
Zurzeit gibt es eine Vielzahl von Auswertungsverfahren, die in den publizierten Studien zur akuten idiopathischen Hörminderung Verwendung finden. Nach den hier vorgestellten Ergebnissen stimmen die Auswertungsverfahren jedoch meist nicht überein. Die Auswahl einer Methode beeinflusst aber nicht nur das Ergebnis der Studie, sondern auch die für die Durchführung einer kontrollierten klinischen Studie notwendige Zahl an Patienten. Um eine systematische Vergleichbarkeit der vielen unterschiedlichen Behandlungsschemata und -techniken im Rahmen von Metaanalysen zu ermöglichen, ist es dringend erforderlich, einheitliche Standards für die Zielparameter zu etablieren. Aufgrund des hier vorliegenden Vergleichs vieler Auswerteverfahren anhand einer großen Beispielpopulation lassen sich einige Vorschläge für die Planung weiterer Studien zum Hörsturz formulieren: 1) In Übereinstimmung mit den Beobachtungen von Berliner und Mitarbeitern (bei Schallleitungsschwerhörigkeit) hat die Definition von Erfolgskriterien einen größeren Einfluss auf das Therapieergebnis als die Auswahl der zu untersuchenden Frequenzen. 2) Eine sinnvolle Vergleichbarkeit von Studien, die unterschiedliche Auswerteverfahren benutzen, ist dennoch meist nicht gegeben. 3) Daher ist es nötig, sich international auf einheitliche Standards sowohl für die Auswahl der Frequenzen als auch für die Erfolgskriterien zu einigen. 4) Die Frequenzen, die in die Auswertung einbezogen werden, müssen mit dem audiologischen Einschlusskriterium übereinstimmen. 5) Bei der Planung einer Studie sind Machbarkeit und studienökonomische Aspekte von zentraler Bedeutung. Die dichotomen Erfolgskriterien (z.B. Anteil der Patienten, die sich um mehr als einen festgelegten Wert verbessert haben) werden zwar in vielen Studien verwendet, haben jedoch den Nachteil, dass größere Fallzahlen benötigt werden. Dies sollte bei der Auswahl der Planung von Studien zum Hörsturz berücksichtigt werden. 6) Aus klinischer Sicht ist es empfehlenswert, das Gegenohr als Referenz in die Berechnung mit einzubeziehen. Hierfür dürfen dann aber nur Patienten in die Studie eingeschlossen werden, deren Hörvermögen vor dem Hörsturz symmetrisch gewesen ist. 7) Für Studien, bei denen ein symmetrisches Hören nicht sicher vorausgesetzt werden kann, sind die kontinuierlichen Erfolgskriterien den dichotomen vorzuziehen. Sie benötigen kleinere Fallzahlen und erleichtern so die Durchführbarkeit und senken die Kosten. 8) Obwohl dieses Verfahren in dieser Studie nicht berücksichtigt werden konnte, ist die Sprachaudiometrie wegen ihrer Relevanz für das praktische Hörvermögen der Patienten im Alltag ein sehr wichtiges Verfahren und sollte in Hörsturzstudien zumindest als sekundäres Zielkriterium mitgeführt werden.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Bauer, Michael
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45340