Universität Tübingen
Einfluss freier Fettsäuren auf die Insulinsekretion beim Menschen
Abstract
Zu den pathophysiologischen Grundlagen des Diabetes mellitus Typ 2 gehören die Insulinresistenz und die gestörte Insulinsekretion. Ziel dieser Arbeit war es, zu untersuchen, ob der Spiegel der freien Fettsäuren im Nüchternplasma bei Risikopersonen für Diabetes mellitus Typ 2 die Insulinsekretion beeinträchtigt. Hierfür untersuchten wir in einer Querschnittsuntersuchung 1055 Probanden mit positiver Familienanamnese für Typ 2 Diabetes mellitus. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Insulinsensitivität und prozentualem Fettgehalt des Körpers fanden wir in unserer multivariaten linearen Regressionsanalyse eine statistisch signifikante negative Korrelation (p<0,0001) der Konzentration nüchtern freier Fettsäuren mit der ersten Phase der Insulinsekretion. Dieser Befund bestätigt Hinweise aus früheren Studien. Aus bisher durchgeführten Studien ging jedoch nicht hervor, ob ein erhöhter Nüchternspiegel freier Fettsäuren die Entwicklung der ersten Phase der Glukose-induzierten Insulinsekretion beeinflusst oder voraussagen kann. Außerdem war bisher unklar inwiefern der Nüchternspiegel der freien Fettsäuren und die Änderung der ersten Phase der Glukose-induzierten Insulinsekretion durch eine Lebensstiländerung beeinflusst werden können. Zu diesem Zweck untersuchten wir bei 105 Probanden mit positiver Familienanamnese für Typ 2 Diabetes mellitus den Nüchternspiegel freier Fettsäuren und im Rahmen eines oralen Glukosetoleranztests die erste Phase der Insulinsekretion vor und nach einer 9-monatigen Lebensstilintervention. Außerdem wurden anthropometrische und metabolische Parameter erhoben, welche nach der erfolgten Lebensstilintervention mit den Ausgangswerten verglichen wurden. Nach der Lebensstilintervention hatte der BMI der Probanden im Vergleich zur Erstuntersuchung im Mittel signifikant abgenommen ((p< 0,0001), wobei auch der prozentuale Körperfettanteil gesunken war (p= 0,0073). Die freien Fettsäuren (p= 0,44) blieben ebenso wie die erste Phase der Glukose-induzierten Insulinsekretion (p= 0,53) nahezu unverändert. Die Insulinsensitivität und die Insulinsekretion relativ zur Insulinsensitivität (Disposition-Index) nahm signifikant zu (p= 0,0005). Sowohl der Nüchternplasmaglukosespiegel (p= 0,046) als auch die postprandiale Plasmaglukose (p<0,0001) wurden im Zeitraum der Lebensstilintervention signifikant vermindert, wobei die Verbesserung bei der postprandialen Plasmaglukose deutlicher war. In einer linearen multivariaten Regressionsanalyse sagte der Nüchternspiegel freier Fettsäuren unabhängig von der Änderung des Körperfettanteils und der Insulinsensitivität in der Gesamtgruppe der 105 Probanden nichts über die Entwicklung der ersten Phase der Insulinsekretion bis zur Folgeuntersuchung nach der Lebensstilintervention aus. Bei Personen mit eingeschränkter Glukosetoleranz (IGT) jedoch war der Nüchternspiegel freier Fettsäuren unabhängig von der Änderung des Körperfettanteils und der Insulinsensitivität ein Prädiktor für die Änderung der ersten Phase der Insulinsekretion (p=0,0149). Das bedeutet, dass bei Personen mit IGT ein erhöhter Nüchternspiegel freier Fettsäuren eine Verschlechterung der ersten Phase der Insulinsekretion voraussagt, welche auch durch eine Lebensstilintervention nicht zu beeinflussen ist. Scheinbar sind beta-Zellen bei eingeschränkter Glukosetoleranz gegenüber erhöhten freien Fettsäuren vulnerabler als beim Gesunden. Bisher wurde bei Feststellung einer eingeschränkten Glukosetoleranz ausschließlich der Blutglukosespiegel therapiert. Künftig könnten Risikopatienten mit erhöhtem Nüchternspiegel freier Fettsäuren und IGT präventiv mit Lipidsenkern wie Nikotinsäure behandelt werden, um die Lipotoxizität auf pankreatische beta-Zellen zu verringern.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Steigenberger, Mirjam Elisabeth
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45290