Universität Tübingen
Aufnahme von [131I]mIBG und [3H]Noradrenalin in Neuroblastomzellen: Einfluss der Vorbehandlung der Zellen mit Zytostatika
Abstract
Das Neuroblastom ist der häufigste extrakranielle, solide Tumor des Kindesalters. Es geht aus dem sympathischen Nervengewebe hervor. Sein biochemisches Merkmal ist die Katecholaminsynthese. Der für die Katecholaminwiederaufnahme verantwortliche Noradrenalintransporter (NAT) ist in der Klinik sowohl für die Diagnostik als auch für die Therapie des Neuroblastoms mit radioaktiv markiertem meta-Iodbenzylguanidin (mIBG), einer Noradrenalinanalogen Verbindung, die auch über den NAT aufgenommen wird, sehr wichtig. Die Diagnostik kann mit Hilfe des [123I]mIBGs erfolgen. In der Behandlung des Neuroblastoms gibt es neben der herkömmlichen Therapie mit Zytostatika die Option der Behandlung mit [131I]mIBG. mIBG wird über zwei verschiedene Transportwege in die Neuroblastomzelle aufgenommen - zum einen über den Noradrenalintransporter (NAT) zum anderen über unspezifische Diffusionsvorgänge. Während die Diagnostik des Neuroblastoms mit [123I]mIBG eine gut etablierte Methode ist, sind die Erfolge der [131I]mIBG-Therapie nicht eindeutig. Das könnte daran liegen, dass nicht alle Neuroblastom-zellen den NAT exprimieren bzw. dessen Expression nicht konstant, sondern in vielfältiger Weise beeinflussbar ist. Ziel dieser Arbeit war es zu untersuchen, ob die Zytostatikavorbehandlung mit den klinisch verwendeten Kombinationen N4 (Vincristin, Doxorubicin, Cyclophosphamid), N5 (Vindesin, Etoposid, Cisplatin), N6 (Vincristin, Doxorubicin, Ifosfamid, Dacarbazin), einen Einfluss auf die [131I]mIBG/ [3H]NA-Aufnahme bzw. die NAT-Expression hat. Vor den Aufnahmeversuchen mit Zytostatika-vorbehandelten Zellen wurde mit Hilfe des MTT-Tests ermittelt, welchen Effekt verwendete Zytostatikakonzentrationen auf das Überleben der Zellen hatten. Dabei zeigte sich, dass Kellyzellen sensibler auf die Zytostatikavorbehandlung reagieren als die SK-N-SH-Zellen. In der hier vorliegenden Arbeit wurde aus praktischen Gründen statt [131I]mIBG hauptsächlich [3H]NA verwendet. Dieses wird wie [131I]mIBG spezifisch über den NAT in die Neuroblastomzelle aufgenommen. Bei der [3H]NA-Aufnahme nach Zytostatikavorinkubation hatten weder Dauer noch Konzentration der Zytostatikavorbehandlung einen negativen Einfluss auf die [3H]NA-Aufnahme, es wurde sogar eine leichte Aufnahmesteigerung bei der Zytostatikakombination N6 beobachtet. Außerdem zeigte sich, dass SK-N-SH-Zellen [3H]NA besser aufnahmen als Kelly-Zellen. Wurde [131I]mIBG anstelle von [3H]NA für die Aufnahmeversuche verwendet, erhielt man ganz analoge Ergebnisse. Auch die Speicherkapazität für [131I]mIBG wurde durch die Vorbehandlung mit den Zytostatikakombinationen nicht beeinflusst. Mittels RT-PCR wurde die Expression des NATs untersucht. Auch diese blieb durch die Vorbehandlung mit den unterschiedlichen Zytostatikakombinationen unverändert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorbehandlung mit den Zytostatikakombinationen keinen negativen Einfluss auf die [3H]NA/ [131I]mIBG-Aufnahme hatte. Nimmt man eine Übertragbarkeit dieser Versuche auf die Klinik an, so hat die vorgeschaltete Chemotherapie keinen negativen Einfluss auf die mIBG-Aufnahme. Somit ergibt sich keine Notwendigkeit, die Reihenfolge der Therapieabläufe, wie sie z. Z. bestehen, zu ändern bzw. bestimmte Zytostatika-kombinationen nicht mehr für die Therapie der Neuroblastome zu verwenden. Auffällig war die leichte Steigerung der [3H]NA- und [131I]mIBG-Aufnahme bei Vorinkubation der Zellen mit der Zytostatikakombination N6, was wahrscheinlich auf Dacarbazin zurückzuführen ist. In einem zukünftigen Projekt sollte deshalb die Wirkung dieses Zytostatikums auf die mIBG-Aufnahme und NAT-Expression untersucht werden.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Ballweg, Daniela Hildegard
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45143