Back to search

Universität Tübingen

Chromosomale Residualschäden nach Radiochemotherapie mit und ohne Gabe von Amifostin

Abstract

Hintergrund: Amifostin ist eine radioprotektiv wirkende Substanz, die zur Verringerung der akuten Nebenwirkungen bei konventionell fraktionierter Radiotherapie angewandt wird. In der vorliegenden Studie wurde Amifostin bei Patienten eingesetzt, die wegen eines Rektumkarzinoms eine postoperative Radiochemotherapie erhielten. Es wurde bereits beschrieben, dass diese Patienten nach zusätzlicher Amifostingabe eine geringere Akuttoxizität an Haut und Darm zeigten. Nun sollte festgestellt werden, ob die mit Amifostin behandelten Patienten neben einer verringerten klinischen Akutreaktion auch eine geringere Rate an chromosomalen Residualschäden der Lymphozyten aufweisen. Material und Methoden: Lymphozyten von zwölf Patienten, die wegen eines Rektumkarzinoms vor 2-3 Jahren eine Radiochemotherapie erhalten hatten, wurden mittels 24-Farben-Fluoreszenz in situ Hybridisierungstechnik (24-Farben-FISH) auf chromosomale Residualschäden untersucht. Alle Patienten hatten eine Gesamtdosis von 55,8 Gy in Einzeldosen von 1,8 Gy sowie eine Chemotherapie mit 5-Fluorouracil (5-FU) als 120-h-Dauerinfusion (1,000 mg/m2 pro Tag) in der 1. und 5. Woche erhalten. Sieben der zwölf Patienten hatten zusätzlich an den Chemotherapietagen Amifostin bekommen (Gesamtdosis 500 mg täglich als i.v. Kurzinfusion direkt vor der Bestrahlung). Lymphozytenkultivierung und 24-Farben-FISH erfolgten nach Standardprotokollen. 100 Metaphasen pro Patient wurden auf chromosomale Aberrationen untersucht. Ergebnisse: Die Auswertung der durchschnittlichen Anzahl von Brüchen pro Mitose (B/M) zeigte einen erhöhten Anteil chromosomaler Residualschäden sowohl in der mit Amifostin (0,65 B/M [0,32-0,97]) als auch in der ohne Amifostin behandelten Patientengruppe (0,76 B/M [0,31-1,25]). Auch der durchschnittliche Anteil von Zellen, die Aberrationen enthielten, war bei 100 ausgewerteten Metaphasen etwa gleich (22,1 [13-32] mit Amifostin vs. 24,4 [13-35] ohne Amifostin). Außerdem zeigten die aufgetretenen Aberrationstypen (einfache Translokationen, reziproke Translokationen, Brüche, dizentrische Chromosomen, Inversionen, Ringchromosomen und komplexe chromosomale Rearrangements) keine statistisch signifikante Häufung in einer der beiden Gruppen. Schlussfolgerung: Während eine signifikante klinisch feststellbare Abschwächung der Normalgewebstoxizität in der Patientengruppe mit Amifostin zu beobachten war, zeigte der Vergleich hinsichtlich der chromosomalen Residualschäden 2-3 Jahre nach Abschluss der Radiochemotherapie eine hohe interindividuelle Variabilität ohne einen statistisch gesicherten Unterschied zwischen beiden Gruppen.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Claussen, Mareike Franziska

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
hdl:10900/45036

Chain of custody

source
Harvested from
Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
related terms
citation

Claussen, Mareike Franziska. Chromosomale Residualschäden nach Radiochemotherapie mit und ohne Gabe von Amifostin. 2007.