Universität Tübingen
Zur Alltagsgeschichte des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses am Beispiel der Begutachtung von Frauen an der Universitäts-Nervenklinik Tübingen im Jahr 1936
Abstract
Die Alltagsgeschichte des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" (GveN) wird in ihren konkreten Auswirkungen auf Betroffene in der Universitäts-Nervenklinik Tübingen zur Zeit des Nationalsozialismus untersucht. Als Quellen werden Krankenakten der Universitäts-Nervenklinik Tübingen aus dem Jahr 1936, das Buch über Sterilisierungen, Diagnose- und Aufnahmebücher, Operationsbücher der Frauenklinik Tübingen und Verwaltungskorrespondenzen beider Kliniken verwendet. Hauptgegenstand der Untersuchung sind die den Krankenakten enthaltenen Gutachten zum Erbgesundheitsverfahren. Die Untersuchung dieser Quellen erfolgt in einer Mischung aus qualitativer und quantitativer Methodik. Weiterhin wurden die Auswirkungen des Erbgesundheitsverfahrens für die Betroffenen untersucht, und der genaue Ablauf des Verfahrens für die bereits stationären Patientinnen mit dem der zur Begutachtung aufgenommen Frauen verglichen. Dabei wird auch die enge Zusammenarbeit der Nervenklinik mit der Frauenklinik Tübingen zur Zwangssterilisation beleuchtet. Das GVeN hat den Alltag der untersuchten Klinik im Jahr 1936 stark beeinflusst. Der Inhalt des Gesetzes ist bekannt und wird umgesetzt. Dies führt zur Anwendung von Zwangsmassnahmen, Widerstand dagegen wird nur vereinzelt beschrieben. Die GutachterInnen gehen zum Großteil schematisch vor und erarbeiten anhand von gewissen Kriterien die Diagnose, dabei bleibt ihnen jedoch ein deutlicher Ermessenspielraum der individuell genutzt wird.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Kaasch, Imke Marion
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/45022