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Universität Tübingen

Phänotypische und genotypische Charakterisierung der Virostatika-Suszeptibilität von Herpes Simplex Virusisolaten nach Stammzelltransplantation

Abstract

Ziel dieser Dissertation war die Etablierung eines zeit- und arbeitsoptimierten, quantitativen, phänotypischen Testsystems zur Erfassung der Aciclovir-Resistenz von klinischen Herpes Simplex Virusisolaten. Den Hintergrund bildet die hohe Inzidenz der Aciclovir-Resistenz bei Patienten nach Stammzelltransplantation, welche in Studien bis zu 30% erreichte. Die Resistenzmechanismen, welche auf molekularbiologischer Ebene der verminderten Suszeptibilität gegenüber Aciclovir zugrunde liegen, sind Mutationen innerhalb des Genabschnittes UL 23, welcher bei Herpes Simplex Viren für die Thymidinkinase kodiert. In seltenen Fällen erfolgen Mutationen innerhalb des für die virale Polymerase kodierenden Genabschnittes UL 30. Für die Etablierung von schnelleren, genotypischen Testungen ist eine genaue Kenntnis des umfangreichen natürlichen Polymorphismus und aller mit Resistenz assoziierten Mutationen innerhalb der Gene UL 23 und UL 30 von HSV 1 und HSV 2 notwendig. Da dies noch nicht ausreichend erfolgt ist, erlaubt nur die Sequenzierung von sequentiellen Patientenisolaten, in Kombination mit der phänotypischen Charakterisierung, die sichere Identifizierung einer Aciclovir-Resistenz. Für die phänotypische Erfassung der Aciclovir-Resistenz wurden ein CPE (Zytopathischer Effekt)-Reduktionstest, ein Plaquereduktionstest und ein Screening-Plaquereduktionstest, sowie ein auf Chemolumineszenzanalytik basierender Zytopathogenitätstest etabliert und evaluiert. Der Plaquereduktionstest gilt weltweit als Goldstandard, ist jedoch zeit- und arbeitsintensiv. Von 15 Stammzelltransplantatempfängern wurden 41 sequentielle Isolate phänotypisch charakterisiert und typisiert. 16 Isolate wurden als Aciclovir-resistent identifiziert. Es handelte sich ausschließlich um Herpes Simplex Virus Typ 1. Von 11 Isolaten wurde das für die Thymidinkinase kodierende Gen UL 23 sequenziert. Darunter befanden sich 3 eigens im Rahmen dieser Arbeit generierte Aciclovir-resistente Laborstämme. Eine bisher noch nicht beschriebene Punktmutation in Zusammenhang mit Aciclovir-Resistenz (G200D) und eine neue Mutation im Rahmen des natürlichen Polymorphismus von UL 23 (A118V) konnten dabei nachgewiesen werden. Aussagen über den natürlichen Polymorphismus konnten nur getroffen werden, da kryokonservierte sequentielle Isolate für die Sequenzanalyse verfügbar waren. Bei Auftreten einer Aciclovir-Resistenz ist eine weitere Behandlung mit Foscarnet oder Cidofovir möglich. Wenn es sich um Herpes Simplex Virus Typ 1 handelt, ist unter Umständen auch eine weitere Therapie mit Brivudin erfolgreich. Da die gegenwärtigen Behandlungsregime begrenzt sind, besteht Bedarf an neuen antiviral wirksamen Medikamenten. Mit dem auf Chemolumineszenzanalytik basierenden Zytopathogenitätstest konnte die antivirale Wirkung einer an der Universität Tübingen neu synthetisierten Duplexverbindung, einem Nucleosid-Phosphono-Ameisensäurederivat, bei Aciclovir-resistenten Herpes Simplex Viren nachgewiesen und der zugehörige Selektivitätsindex (SI=CC50/IC50) bestimmt werden.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Lensch, Börries Niklas

Identifiers

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Identifier
hdl:10900/44878

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Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
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Lensch, Börries Niklas. Phänotypische und genotypische Charakterisierung der Virostatika-Suszeptibilität von Herpes Simplex Virusisolaten nach Stammzelltransplantation. 2006.