Universität Tübingen
Modifizierte Nucleoside als potenzielle Tumormarker beim Mammakarzinom
Abstract
Modifizierte Nucleoside, welche in der RNA posttranskriptionell durch zahlreiche Modifikationsenzyme entstehen, zirkulieren frei im Blut, werden in den Urin ausgeschieden und können dort nachgewiesen werden. Bei verschiedenen malignen Tumorerkrankungen wurden sie in abnorm hohen Konzentrationen im Urin nachgewiesen und daher als potenzielle Tumormarker vorgeschlagen. Um zu untersuchen, inwiefern durch Bestimmung der Nucleosidlevel zwischen gesunden und an einem Mammakarzinom erkrankten Individuen unterschieden werden kann, wurden in der vorliegenden Arbeit die Urine (Spontanurin) von 101 gesunden Probandinnen im Alter zwischen 15 und 78 Jahren sowie von 68 präoperativen Mammakarzinompatientinnen der Tumorstadien Cis (8 Fälle), T1 (32 Fälle) und T2 (22 Fälle) sowie 6 Fällen unbekannter Stadien und der Gradingstadien G1, G2 und G3 bei den T1- und T2-Tumoren im Alter zwischen 34 und 83 Jahren auf ihre Nucleosidkonzentrationen untersucht. Die Nucleoside wurden aus den Proben mittels Affinitätschromatographie unter Einsatz von Phenylboronsäure extrahiert und die Konzentrationen durch Umkehrphasen-Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (reversed-phase high-performance liquid chromatography [RP-HPLC]) nach der Internen-Standard-Methode analysiert. Die auf die Kreatininkonzentrationen bezogenen Nucleosidlevel wurden zwischen der Kontroll- und der Mammakarzinomgruppe sowohl durch klassische statistische Verfahren als auch durch den Einsatz eines Neuronalen Netzes (Artificial Neural Network [ANN]) verglichen, wobei in erstgenannten auf statistisch signifikante Unterschiede der einzelnen Nucleoside überprüft wurde und mittels des ANN das gesamte Nucleosidprofil betrachtet wurde. Des Weiteren wurden die Werte der konventionellen Tumormarker beim Mammakarzinom CA 15-3 und CEA in der Gruppe der Brustkrebspatientinnen erfasst und mit den erhaltenen Daten bezüglich der Nucleoside verglichen. Von den 12 in die klassische Auswertung eingegangenen Nucleosiden, darunter vier nichtmodifizierte (Adenosin [A], Cytidin [C], Guanosin [G], Uridin [U]) und acht verschiedenartig modifizierte (1-Methyladenosin [M1A], 3-Methyluridin [M3U], 1-Methylinosin [M1I], 1-Methylguanosin [M1G], 2-Methylguanosin [M2G], Pseudouridin [Pseu], Inosin [I] und Xanthosin [X]), war eine statistisch signifikante Erhöhung in der Gruppe der Mammakarzinompatientinnen bei Pseudouridin, Inosin, 3-Methyluridin, 1-Methylinosin sowie Guanosin - also vier modifizierten und einem nichtmodifizieten Nucleosid - zu beobachten. Bezüglich der Spezifität und Sensitivität ergaben sich für Pseudouridin bei einer Spezifität von 95,0% eine Sensitivität von 7,4%, für Inosin von 95,0% / 22,1%, für 3-Methyluridin von 94,1% / 37,3%, für 1-Methylinosin von 95,0% / 23,9% und für Guanosin von 94,9% / 12,0%. In die Auswertung durch das Neuronale Netz, bei der die Nucleoside nicht nur einzeln betrachtet wurden, sondern in welcher das gesamte Muster Berücksichtigung fand, gingen bis auf Guanosin dieselben Nucleoside ein. Hierbei ergaben sich eine Spezifität von 83,4% sowie eine Sensitivität von 73,5%. Für die herkömmlichen Tumormarker beim Mammakarzinom CA 15-3 und CEA ergab sich anhand der Werte aus der Gruppe der Brustkrebspatientinnen für die Tumorstadien T1 und T2 eine Sensitivität von 8,1% für CA 15-3, von 9,7% für CEA sowie von 14,5% für CA 15-3 und/oder CEA bei unbekannter Spezifität, da keine Werte der Tumormarker für das Kontrollkollektiv vorlagen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Klaus, Fabian Wolfgang
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/44652