Universität Tübingen
Die Entwicklung primärer Gesundheitsdienste in der Zentralregion Togos von 1992 bis 1999
Abstract
Die vorliegenden Untersuchungen wurden in der Zentralregion Togos/Westafrika durchgeführt. Togo zählt zu den Entwicklungsländern mit einer unzureichenden Gesundheitsversorgung für den Großteil der Bevölkerung, daraus resultiert eine geringe Lebenserwartung und eine hohe Mütter- und Kindersterblichkeit. Die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) versucht seit 1988 mit dem Projekt „Soins de Santé Primaire“ (SSP) eine primäre Gesundheitsversorgung in dieser Region zu etablieren und den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern. Anhand von Daten aus den Jahresberichten von 1992 bis 1999 des statistischen Büros des Projektes GTZ-SSP wurde die Entwicklung der medizinischen Gesundheitsversorgung untersucht. Die Anzahl der Gesundheitseinrichtungen in der Zentralregion Togos nahm von 41 auf 61 zu, so dass 1999 mehr als 70% der Bevölkerung in einer Entfernung von 5 km zu einer Gesundheitseinrichtung lebten. Die Nutzung der Gesundheitseinrichtungen durch die Bevölkerung nahm von 66% auf 30% ab, was durch die Einführung von Behandlungsgebühren ab 1995 bedingt sein könnte. Die Impfrate für Kinder im ersten Lebensjahr lag im gesamten Zeitraum über 40% und erreichte 1999 mehr als 80%. Bei den Tetanusimpfungen für Schwangere zeigte sich insgesamt eine Abnahme der geimpften Schwangeren; mehr als 20% der Frauen hatten einen Impfschutz für bis zu 3 Jahren und einen lebenslangen Impfschutz hatten weniger als 20%. In Gesundheitseinrichtung betreute Geburten nahmen von 25% im Jahr 1992 auf fast 50% im Jahr 1999 zu. Zusätzlich nahmen die Schwangerenvorsorgeuntersuchung von 60% auf fast 80% zu, aber die Nachsorgeuntersuchungen wurden gleich bleibend wenig mit unter 20% in Anspruch genommen. Die Müttersterblichkeit stieg von 27 auf 260 verstorbene Frauen auf 100.000 Lebendgeburten. Die Perinatalmortalität lag gleich bleibend hoch zwischen 41 und 67 verstorbenen Neugeborenen bezogen auf 1.000 Geburten. Der Anteil der Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 2500g nahm von 1995 bis 1999 von 2,2% auf 10,5% zu, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass insgesamt in den Gesundheitseinrichtungen mehr Geburten betreut wurden. Für die Bevölkerung der Zentralregion Togos war im Jahre 1998 die Verfügbarkeit essentieller Medikamente bei 97%. Malaria war die am häufigsten diagnostizierte Krankheit mit 40% an den insgesamt diagnostizierten Krankheiten. Alle weiteren Diagnosen wie Wunden/Traumata, Infektionen der oberen Atemwege, Diarrhöen und Wurminfektionen wurden dagegen weitaus seltener gestellt. Bei einer Stichprobenerhebung zeigte sich, dass zwei Drittel der Teilnehmer eine Infektion mit Hakenwürmern und bei 45% eine Entamoeba histolytica/dispar-Infektion vorlag. Dagegen wurde in den Gesundheitseinrichtungen die Diagnose Ankylostomiasis nur in 0,3% und Helmintheninfektionen ohne genauere Differenzierung nur in 4,4% der Fälle gestellt. In einer weiteren Stichprobenerhebung waren 38% der Grundschüler mit Schistosoma haematobium infiziert. Bei den durch Armut verursachten Erkrankungen, wie Malaria, HIV/AIDS, Tuberkulose und Infektionen mit Helminthen, wurde in den Gesundheitseinrichtungen nur die Diagnose Malaria entsprechend den Erwartungen gestellt. Fehlende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie mangelnde Verfügbarkeit und zu hohe Preise von Medikamenten sind wahrscheinlich der Grund. Das Gesundheitsprogramm GTZ-SSP wird vom Fortsetzungsprojekt "Projet d'Appui au Development du Système de Santé" (GTZ-PADESS) weiter entwickelt. Eine verstärkte Kooperation mit UNICEF, WHO, PNUD und Nicht-Regierungsorganisationen, die Bekämpfung der Armut, der armutsbedingten Krankheiten, eine Politik der Dezentralisation und die verstärkte Einbindung der Bevölkerung zur Erfassung spezifischer Gesundheitsprobleme und die Sicherung der Nachhaltigkeit stellen die Hauptziele dar. Für die Zukunft sind weitere gezielte Studien sowie Evaluationen der bereits vorhandenen Gesundheitseinrichtungen erforderlich, um adäquat auf die in den kommenden Jahren zu erwartenden gesundheitlichen Probleme der Bewohner in der Zentralregion Togos reagieren zu können.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
-
- Schmidt, Nicole
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/44531