Universität Tübingen
Histomorphologischer Vergleich der Leberpforte bei Extrahepatischer Gallengangsatresie und der Entwicklung des Gallengangsystems bei Rattenembryonen in den Carnegiestadien 20- 23 als Beitrag zur Pathogenese der Extrahepatischen Gallengangsatresie
Abstract
Ätiologie und Pathogenese der Extrahepatischen Gallengangsatresie sind bisher ungeklärt. Diskutiert werden virale, immunologische, ischämische, morphogenetische und genetische Ursachen. Unter dem morphogenetischen Aspekt wird vermutet, dass es in der embryologischen Phase der Gallengangsentwicklung zu einem Entwicklungsstop kommt, so dass die Gallengänge sich nicht vollständig entwickeln und auf einer fetalen Entwicklungsstufe stehen bleiben. Dieser Aspekt wurde bezüglich Pathogenese der EHGA untersucht. Verglichen wurde die Histologie der Leberpforte von Patienten mit EHGA sowie von Ratten- embryonen der Carnegiestadien 20-23. Untersucht wurde neben Morphologie und Anzahl auch die Gesamtfläche der Gallengänge in der Leberpforte bei EHGA und Rattenembryonen. Zur Beurteilung des klinischen Verlaufs wurde der postoperative Gallefluss der Patienten in Korrelation mit der Histologie der Leberpforte sowie Anzahl und Gesamtfläche der Gallengänge betrachtet. Ziel war es herauszufinden, ob die Veränderungen der Gallengänge und des Leberparenchyms Folge einer primär persistierenden Erkrankung, des biliären Staus oder Folge der gestörten mesenchymalen Proliferation sind. Das würde bedeuten, dass die EHGA ein embryonales Stadium präsentiert und somit bei der EHGA eine embryonale Entwicklungs- und Differenzierungsstörung vorliegt oder Folge einer gestörten mesenchymalen Proliferation ist, die bei der Entwicklung der Gallengänge bei Rattenembryonen nachgewiesen wurde. Ergebnisse: 1. Bei Rattenembryonen entwickeln sich die extrahepatischen Gallengangs- strukturen in Verbindung mit dem aus dem hepatischen Divertikel in die Leber einsprossenden Mesenchym. Die sich aus dem hepatischen Divertikel entwickelnden Gallengänge verbinden sich mit Gallekanalikuli der Leberläppchen, die wahrscheinlich aus Leberzellbalken entstehen. 2. Bei der EHGA kommt es zu einer deutlichen Vermehrung der Gallengangs- proliferate und ihrer Vorstufen in Verbindung mit einer Vermehrung des Mesenchyms der Periportalfelder und der Septen, die in die Leberläppchen einwachsen. Entlang der bindegewebigen Septen formieren sich Leberzellbalken zu tubulären Strukturen, die mit den Gallengangsproliferaten Verbindungen aufweisen. Zudem zeigen die vor- liegenden Untersuchungen, daß sich solche tubulären Leberzellbalkenstrukturen an der Peripherie des Leberläppchens abschnüren und zu Gallengangsproliferaten differenzieren. Damit zeigt sich einerseits, daß bei der EHGA trotz Vermehrung des Bindegewebes, beispielsweise in der Region des D. choledochus, die embryologisch dem hepatischen Divertikel entspricht und trotz einer enormen Vermehrung des Bindegewebes in der hilären Platte sowie in den Periportalfeldern keine Entwicklung normaler Gallengänge abläuft. Bei Rattenembryonen führt die Einsprossung von Mesenchym ins Parenchym zu einer Gallengangsausbildung. Aus dieser Beobachtung kann postuliert werden, daß ein embryonaler Defekt zu dieser Pathologie führt. Auf der anderen Seite kann beobachtet werden, daß im Bereich der Vermehrung des Bindegewebes, besonders an der Grenzzone zwischen hilärer Platte und Leberparenchym neue Gallengangsformationen, nämlich die Gallen- gangsproliferate oder Ductuli, entstehen. Die Gangstrukturen bei EHGA zeigten eine ähnliche Struktur wie die Gangstrukturen bei Rattenembryonen und lagen ebenfalls an der Kontaktstelle von Parenchym und Bindegewebe. 3. Neben Operationszeitpunkt und Grad der Fibrose der Leberpforte ist auch die Größe der Gallengänge in der Leberpforte für die Prognose von Bedeutung. Ein Zusammenhang zwischen Anzahl der duktulären Proliferate und dem Gallefluss konnte festgestellt werden: Bei schlechtem postoperativen Gallefluss lag eine hohe Anzahl an Proliferaten vor. Wenn diese These stimmt, dann würde im Bereich der Übergangszone von Leberpforte zu Parenchym die Induktion der Gallengangsentwicklung nicht normal ablaufen, auf der anderen Seite bestünde aber eine Induktion einer neuen Gallenwegsentwicklung. Unter morphogenetischen Aspekten wären die Befunde der EHGA auf der einen Seite mit einer ausbleibenden oder verminderten Induktion der Gallengangs- entwicklung durch Mesenchym erklärbar, auf der andere Seite würden die bei Rattenembryonen beobachteten mesenchymalen Induktionsmechanismen zur Anwendung kommen. Eine endgültige Aussage ist erst nach einer speziellen immunhistochemischen Anfärbung der Gallengänge möglich, die das Alter der Gallengänge bestimmen kann. Lassen sich bei Patienten mit EHGA im Bereich der Leberpforte Gallengänge desselben Alters nachweisen, die dieselbe Farbintensität zeigen, wie Gallengänge der Rattenembryonen, würde dieser Befund für einen Stop der embryonalen Entwicklung sprechen. Lassen sich aber Gallengänge unterschiedlichen Alters nachweisen, liegt eine sekundär reaktive Proliferation der Gallengänge vor, die durch eine Mesenchymeinsprossung verursacht ist. Eine andere Arbeitsgruppe führt diese Untersuchung durch.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author
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- Bachmann, Cornelia
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier
- hdl:10900/44457