Back to search

Universität Tübingen

Towards understanding health, diet and mobility in early medieval valleys, South Tyrol (Alto Adige-Südtirol) Italy

Abstract

Im Frühmittelalter (500-1000 n. Chr.) spielte Südtirol in den italienischen Alpen eine wichtige militärische und geographische Rolle als Transitgebiet zwischen Süd- und Nordeuropa. Die wenigen historischen Quellen aus dem Frühmittelalter dokumentieren einen Wandel der alpinen Gesellschaften nach der Schwächung des Weströmischen Reiches, dem Rückzug der römischen Truppen aus den Alpen und dem Aufstieg der römisch-barbarischen Königreiche. Archäologische Quellen bezeugen den gegenseitigen kulturellen Austausch zwischen zuvor sesshaften (rätischen) und allochthonen Völkern (βάρβαροι oder “Barbaren”) durch einen komplexen Prozess der kulturellen Hybridisierung im Laufe der Zeit. Sowohl historische als auch archäologische Quellen sind jedoch nicht immer schlüssig, was die Ansiedlung barbarischer Gruppen in diesem Gebiet betrifft. Zwar könnten anthropologische und paläopathologische Analysen dazu beitragen, die damalige Lebensweise direkt aus menschlichen Überresten zu rekonstruieren, doch wurden bisher nur wenige solcher Untersuchungen in diesem Gebiet durchgeführt, und es wurden bisher keine Daten zu stabilen Isotopen veröffentlicht. Daher fördert die vorliegende kumulative Dissertation eine multidisziplinäre Synergie zwischen den Forschungsgebieten der Anthropologie, Paläopathologie und Geochemie (Analyse stabiler Isotope). Die Ziele sind: 1) Einblicke in den Gesundheitszustand der Bewohner des frühmittelalterlichen Südtirols mit Schwerpunkt auf Stoffwechselkrankheiten und Traumata zu geben, 2) Ernährungs- und 3) Mobilitätsmuster innerhalb und zwischen den Tälern zu erforschen. Um das erste Ziel zu erreichen, befassen sich die beiden in Artikel I und Artikel II vorgestellten Studien mit der Paläopathologie und geben erste Hinweise zum Gesundheitszustand der Individuen, die zuvor noch nie anthropologisch untersucht worden waren. Insbesondere stellt der erste Artikel (Artikel I) Fälle von subadultem Skorbut (Vitamin-C-Mangel) auf dem frühmittelalterlichen Friedhof von Castel Tirol im Meraner Becken vor. Die Hinweise auf Unterernährung lieferten neue Erkenntnisse über mögliche klimatische Ereignisse sowie über den bisher wenig verstandenen soziokulturellen und lokalhistorischen Kontext, die ein anderes Szenario nahelegen, als bisher aufgrund der archäologischen Untersuchungen vermutet worden war. Die Ergebnisse der zweiten paläopathologischen Studie (Artikel II) liefern Einzelheiten zur zwischenmenschlichen Gewalt im frühmittelalterlichen Säben-Sabiona (Eisacktal), bei dem ein junger erwachsener Mann (SK63) sowohl im Schädel als auch im Postkranium traumatische Läsionen aufwies, unter anderem perimortales Trauma durch scharfe Gewalt. Um das zweite und dritte Ziel der Dissertation zu behandeln, untersucht Artikel III mittels Analyse stabiler δ15N, δ13C und δ34S Isotopen die Ernährungs- und Mobilitätsmuster frühmittelalterlicher Menschen und Tiere aus verschiedenen Tälern, Höhenlagen und Standorten in Südtirol. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unterschiede in den Subsistenzstrategien vom Umweltkontext, vor allem von den Höhenlagen, abhängig waren und auf einen höheren Mobilitätsgrad an niedrigeren Standorten (Etschtal) als in höheren Gebieten (Vinschgau) hinwiesen. Insgesamt legt die vorgelegte Dissertation nahe, dass die neu gewonnenen paläopathologischen und isotopischen Ergebnisse besser im Kontext von ökologischen und geomorphologischen (durch das römische Straßennetz zugänglich gemacht) Faktoren interpretiert werden können, als im Hinblick auf damalige wirtschaftliche oder kulturelle Aspekte, z.B. Handel oder Austausch von Kultur oder Technologie. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass einige historische Ereignisse (z.B. Militarisierung des Territoriums, Durchzug und provisorische Ansiedlung von Truppen in bestimmten Gebieten, Begegnungen/Streitigkeiten zwischen Gruppen) auch den Gesundheitszustand der Personen beeinflusst haben könnten (z.B. sporadische Episoden von Vitamin-C-Mangel oder zwischenmenschliche Gewalt). Der angewandte multidisziplinäre Dialog ist ein wirksamer Ansatz, um unser Verständnis der frühmittelalterlichen Bevölkerung in den nordöstlichen italienischen Alpen voranzubringen und produktive Forschungsbereiche für zukünftige Studien hervorzuheben.

Author and committee

dc:creator, dc:contributor.*
Author
  • Paladin, Alice

Identifiers

dc:identifier.*
Identifier
hdl:10900/114722

Chain of custody

source
Harvested from
Universität Tübingen
Base URL
publikationen.uni-tuebingen.de/oai/request
Last updated
2026-08-21
Source record
OAI-PMH GetRecord
related terms
citation

Paladin, Alice. Towards understanding health, diet and mobility in early medieval valleys, South Tyrol (Alto Adige-Südtirol) Italy. 2021.