Technische Universität Berlin
Funktion und Bedeutung polychromer Fassung spätmittelalterlicher Skulptur mit besonderem Schwerpunkt zur deutschen Skulptur zwischen 1420 und 1520
Abstract
dc:description.abstractDen Schwerpunkt dieser mit summa cum laude bewerteten Dissertation bildet die Skulptur des deutschsprachigen Raums zwischen 1420 und 1520. Die Studie ist der polychromen Fassung gewidmet und versteht diese als integralen Bestandteil skulpturaler Gestaltung, materieller Präsenz und visueller Bedeutungsproduktion. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die seit dem 18. Jahrhundert einsetzende Rezeptionsgeschichte polychrom gefasster Skulptur, in deren Verlauf sich idealisierte Vorstellungen einer ungefassten, „weißen“ Form etablierten, die die farbige Gestaltung systematisch marginalisierten oder als nachrangigen, restauratorisch problematischen Zusatz interpretierten. Demgegenüber zielt die Arbeit auf eine Neubewertung der Polychromie als konstitutives Element spätmittelalterlicher Skulptur. Methodisch ist die Studie im Schnittfeld kunsthistorischer Analyse, kunsttechnologischer sowie materialsemantischer Ansätze verortet. Auf der Grundlage von Zunftordnungen, Vertragsdokumenten und Rechnungsquellen des späten Mittelalters werden Terminologie, soziale Stellung und Tätigkeitsprofile der Fassmaler untersucht. Dabei zeigt sich, dass das Fassen ein spezialisiertes und flexibel organisiertes Tätigkeitsfeld darstellte, das von variablen Kooperationsmodellen zwischen Bildschnitzern, Fassmalern, Bereitern und weiteren Akteuren geprägt war. Die Quellenanalyse belegt zudem vertragliche Anweisungen zur Materialwahl, zu Farbmitteln sowie zur Verwendung von Metallauflagen und Schmucktechniken. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der systematischen Analyse der materiellen und technischen Grundlagen polychromer Fassungen. Grundierungen, Vergoldungen, Silberauflagen, Lüster, Farbflächen und Applikationen werden sowohl in ihrer jeweiligen Funktion als auch in ihrem Zusammenwirken untersucht. Dabei wird herausgearbeitet, dass Fassmalerei eigenen gestalterischen Prinzipien folgt und nicht nach den Maßstäben der Tafelmalerei zu beurteilen ist. Polychromie erscheint vielmehr als gezielte Form- und Oberflächengestaltung, die die Wahrnehmung der Skulptur wesentlich bestimmt. An größeren Objektgruppen, etwa Retabeln, wird Polychromie darüber hinaus als komplexes, artifizielles kompositorisches Gestaltungsmittel beschrieben. Darüber hinaus setzt sich die Dissertation kritisch mit der Frage der Darstellungsabsicht spätmittelalterlicher Skulptur auseinander. Konzepte wie Realismus, Realpräsenz, Memorialität und Idealität werden im Hinblick auf ihre Relevanz für polychrom gefasste Bildwerke diskutiert. Im Zentrum stehen dabei die Frage nach dem Porträthaften heiliger Figuren sowie die Grenzen mimetischer Darstellung. Anhand vertiefender materialsemantischer Analysen wird gezeigt, wie Materialien und Farben – insbesondere Gold, Edelsteine und der Farbton Blau – als Visualisierungsstrategien immaterieller Inhalte fungieren und zur Bedeutungszuschreibung beitragen. Insgesamt leistet die Arbeit einen Beitrag zur kunsthistorischen Neubewertung spätmittelalterlicher Skulptur, indem sie polychrome Fassung als ästhetisch, materiell und semantisch komplexes Phänomen begreift und deren zentrale Rolle im sakralen Bildverständnis des späten Mittelalters herausarbeitet. Die Dissertation versteht sich als Grundlagenarbeit.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Nienas, Sarah
- Advisors dc:contributor.advisor
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- Krohm, Hartmut
- Bushart, Magdalena
Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language.iso
- de
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- https://doi.org/10.14279/depositonce-24839
- OAI identifier oai:identifier
- oai:depositonce.tu-berlin.de:11303/26011