Abstract
dc:description.abstractIn der Medien- oder Informationsgesellschaft unserer Tage sind die Menschen einer Flut von Vorschlägen und Forderungen ausgesetzt, welcher Auffassung sie bezüglich ethischer und staatsphilosophischer, aber auch ganz privater, gleichsam lebensphilosophischer Fragestellungen sein sollen. Unter diesen Vorschlägen in nicht-beliebiger Weise die geeigneteren auszuwählen, unangemessene Forderungen jedoch aus sachlichen Gründen zurückzuweisen, ist für deren Bürger alles andere als einfach, sondern eine wirklich schwierige Aufgabe; - zumal in einer pluralistischen Gesellschaft der Rekurs auf örtliche Traditionen keine allgemeine Verbindlichkeit stiften kann. Zwar ist der Rückzug in ein juste milieu immer möglich; doch bleibt er systematisch, was er in menschlicher Hinsicht ist: Ein Rückzug. In dieser Situation Rat zu schaffen, ist das Ziel von Wissenschaftstheorie und Wertung. Dabei wird natürlich nicht prätendiert, der Verfasser wisse um das Wesen des Guten Lebens oder des Gerechten. Es geht vielmehr darum, geeignete Auswahlwerkzeuge vorzustellen, die da unabhängig von örtlich beschränkten Teiltraditionen und den Vorlieben des Verfassers nicht sinnvoll als beliebig bezeichnet werden können. Wissenschaftstheorie und Wertung schlägt vor, diese Auswahlwerkzeuge in den Ergebnissen der Wissenschaftstheorie des Kritischen Rationalismus von Karl Popper und jenen zu erblicken, die den Popperschen Ansatz kritisch weiterverfolgt haben. Die Wissenschaftslogik bietet einen von örtlichen Kulturemen weitestgehend unabhängigen Maßstab einer ihrer wesentlichen Züge ist ja, daß das Geschlecht, die Hautfarbe oder religiöse Orientierung dessen, der ein Argument vorträgt, keine Rolle spielen soll , und der Nachweis, daß es sich bei der Wissenschaftslogik um etwas äußerst Grundlegendes handle, ist sehr einfach ex negativo zu führen. Der Wertproblematik wird dabei durch verschiedene technisch-methodologische Maßnahmen Rechnung getragen. Die Argumentation von Wissenschaftstheorie und Wertung ist einfach und übersichtlich: Zunächst wird aus Poppers Aufsatz Die Zielsetzung der Erfahrungswissenschaften ein methodisches Prinzip gewonnen. Anschließend werden die Ergebnisse der Wissenschaftstheorie zu Regeln adaptiert, anhand derer man Vorschläge über das Gute Leben und das Gerechte wie Material prüfen kann. Die so gewonnenen Regeln wirken also wie Denk-Werkzeuge, mit denen die Menschen ungeeignete von eventuell geeigneten Vorschlägen bezüglich ethischer und staatsphilosophischer Dinge unterscheiden können. Natürlich ist bei alledem das Verhältnis von Prüfregeln und methodischem Prinzip ein streng systematisches; d.h. es werden nur solche Regeln aufgenommen, die der Verwirklichung des methodischen Prinzips tatsächlich dienen, und die Gesamtheit der Regeln soll für die Umsetzung des methodischen Prinzips hinreichend sein. Die Prüfregeln werden in vier Gruppen vorgestellt, geordnet nach den Forderungen: 1.Daß die Vorschläge keine Sätze enthalten mögen, die nachgewiesenermaßen falsch sind; 2.einen größtmöglichen Anteil von Sätzen enthalten sollen, die falsch sein können (wobei die Fakt/Wert-Unterscheidung zu berücksichtigen ist); 3.Umfassendheit zeigen sollen und 4.systematische Tiefe an den Tag legen mögen. Wenn man in dieser Weise vorgeht, bedarf man keiner gesonderten Brückenprinzipien , wie sie Hans Albert vorschweben. Inhaltlich betrachtet, entsteht aus der Anwendung von Prüfkriterien, die der Wissenschaftstheorie entstammen, eine robuste, weil systematisch tiefe und von örtlichen Traditionen unabhängige Legitimation der Liberalen Demokratie. Wie es aus kritizistischer Perspektive nicht anders sein kann, handelt es sich dabei um eine Legitimation ex negativo, den Ausschluß konkurrierender Vorschläge bezüglich staatsphilosophischer Angelegenheiten. Wo es um gleichsam innerdemokratische Fragestellungen geht, schließt das Prüforganon von Wissenschaftstheorie und Wertung sowohl paternalistische, als auch radikalliberale (libertarian) Vorschläge aus. Verschiedene weitere Implikationen lassen sich ablesen oder selbst ziehen. Hinsichtlich privaterer, lebensphilosophischer Sorgen und Träume schließlich eignet dem Prüfapparat eine besondere Schutzfunktion. Wie sich nämlich im Durchführungsteil erweist, hat keine einzige der in Feuilletons und anderswo verbreiteten Verzweiflungsreligionen Bestand. Folglich wird sich ein Mensch, der mit solchen Prüfregeln vertraut ist, deren Herleitung und Legitimation selbst verstanden hat, von Schreckgespenstern wie Sinnverlust , Solipsismus und Relativismus, von anti-europäischen Schlagworten wie der Phrase intellektueller Imperialismus , von der Vergottung des Kunstlosen in der Kunst und was dergleichen mehr sein möchte, nicht mehr schrecken lassen. Dies ist ganz sicher ein besonderer Akzent der vorliegenden Arbeit, zumal Wissenschaftstheoretiker über derartig unnütze Fragestellungen nur selten nachdenken. Eine Reflexion über die Grenzen des vorgestellten Ansatzes beschließt Wissenschaftstheorie und Wertung.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
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- Dahlmanns, Karsten
- Advisor dc:contributor.advisor
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- Gil, Thomas
Rights
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- Language dc:language.iso
- de, German
Identifiers
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urn:nbn:de:kobv:83-opus-6553
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-754 - OAI identifier oai:identifier
- oai:depositonce.tu-berlin.de:11303/1051