Freie Universität Berlin
Modulation der Aufmerksamkeit durch Interaktion von Rauchen und genetischen Varianten nikotinischer Acetylcholinrezeptoren
Abstract
dc:description.abstractEs gibt eine Vielzahl an Hinweisen, dass Acetylcholinrezeptoren mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen der Rezeptorsubtypen eine entscheidende Rolle in der Pathophysiologie der Abhängigkeitsentwicklung und Aufrechterhaltung von Nikotinabhängigkeit spielen. Hierzu gehören pharmakologische Untersuchungen mit Acetylcholinrezeptor-Agonisten, Tiermodelle, Genomweite Assoziationsstudien, bildgebenden Methoden, die die Aktivierung durch Nikotin im ZNS darstellen und die Forschungsergebnisse zu der Rolle der Acetylcholinrezeptoren im Aufmerksamkeitsnetzwerk. Die Aufzeichnung ereigniskorrelierter Potentiale mittels Elektroenzephalogramm macht eine zeitlich präzise Darstellung von Prozessen des Zentralnervensystems als Repräsentation der Aufmerksamkeitsleistung möglich. Bisherige Untersuchungen sind weder zahlreich noch ergibt sich ein einheitliches Bild, inwiefern die Amplitude der N100 Komponente bei Rauchern verändert ist. Die weitreichend anerkannten Auswirkungen von Aufmerksamkeitsprozessen auf die N100 Amplitude und die vielfach nachgewiesene Steigerung der Aufmerksamkeitsleistung durch Nikotin machen diese Komponente zu einer geeigneten Methode für die Messung der Aufmerksamkeitsleistung bei Rauchern und Nichtrauchern. Wir untersuchten 341 gesunde Probanden von denen 121 Raucher und 220 Nichtraucher waren. Es erfolgte die Aufzeichnung des ereigniskorrelierten Potentials N100 während eines Oddball Paradigmas und die Auswertung der Amplitude an den zwei Zielelektroden Fz und Cz. Zusätzlich erfolgte die Genotypisierung des CHRNA4 Gens mit den drei unterschiedlichen Ausprägungen C/C, C/T und T/T. Des Weiteren wurden soziodemographische und neurospychologische Daten mithilfe von Fragebögen und standardisierten kognitiven Tests erhoben und mit den Amplituden assoziiert. Die N100 Amplituden waren an der Fz und Cz Elektrode im Vergleich von Rauchern und Nichtrauchern nicht signifikant unterschiedlich. Auch der Genotyp zeigte im Gruppenvergleich keine signifikante Assoziation zu den Amplitudenwerten. Die Kovariate Alter war signifikant mit der N100 Amplitude an beiden Elektroden assoziiert und die Kovariate Geschlecht zeigte an der Fz Elektrode eine signifikant größere Amplitude bei Frauen. Keine Korrelation zwischen der N100 Amplitude und den klinischen Parametern erreichte statistische Signifikanz. Ob der T-C Polymorphismus des CHRNA4 Gens ursächlich für den Einfluss der Genexpression über veränderte Bindung der Transmitterregulatoren durch verändertes Splicing, Faltung oder Stabilität der Desoxyribonukleinsäure (DNS) ist oder ob der Polymorphismus lediglich mit einem anderen kausalen Polymorphismus gekoppelt ist, ist bisher nicht geklärt. Ausreichende Belege, dass das CHRNA4 Gen einen Einfluss auf das Rauchverhalten hat, gibt es bisher nicht und bleibt weiterhin Gegenstand der Forschung. Jedoch deuten Genomweite Assoziationsstudien daraufhin, dass der hier untersuchte Genpolymorphismus eher eine indirekte Rolle in der Nikotinabhängigkeit spielt. Die vorliegende Studie stellt die bisher größte Probandengruppe dar, an der die Amplitude der N100 Komponente als Korrelat für Aufmerksamkeitsleistung bei Rauchern untersucht wurde. Unter Versuchsbedingungen, in denen Raucher nicht unter Entzugssymptomen litten, konnte kein Unterschied der Amplitude in Rauchern und Nichtrauchern festgestellt werden. Die Fragestellung, ob die N100 bei Nichtrauchern und Rauchern durch Nikotin verändert ist, ließe sich beispielsweise mithilfe einer placebokontrollierten Studie ermitteln.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Tuschy, Lea
Subjects
dc:subject × 4Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.17169/refubium-13213