Freie Universität Berlin
Microsoft Kinect™ gestützte Analyse verschiedener Standübungen hinsichtlich posturaler Kontrolle bei Patienten mit Multipler Sklerose
Abstract
dc:description.abstractHintergrund: Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zeigen häufig Störungen der posturalen Kontrolle, welche nicht selten mit erhöhter Sturzgefahr und relevanten Alltagseinschränkungen vergesellschaftet sind. Eine entsprechende, objektive Erfassung dieser posturalen Störungen mittels quantitativer Posturograhie im Rahmen des klinischen Settings ist hingegen nicht regelhaft etabliert. Technische Entwicklungen eröffnen dabei neue Ansätze hinsichtlich der Erfassung posturaler Störungen bei Patienten mit MS. Ziel: Ziel dieser Dissertation ist es, die Validität der Microsoft Kinect basierten statischen Posturographie für die Messung posturaler Kontrolle bei Patienten mit MS zu evaluieren. Methodik: 90 Patienten mit MS sowie 59 gesunde Kontrollen führten drei Standübungen mit jeweils geöffneten und geschlossenen Augen durch: offener, geschlossener und Tandemstand. Die statische Posturographie-Messung erfolgte mittels Microsoft Kinect unter Anwendung der Software des Start-up-Unternehmens Motognosis Labs Version R9 (Motognosis, Berlin, Germany). Im Besonderen wurden die mittlere Winkelschwankungsgeschwindigkeit (Mean Sway Velocity, MSV) sowie die maximale Auslenkungsbreite (Deflection Range) untersucht. Klinische Messungen umfassten unter anderem die Expanded Disability Status Scale (EDSS), den Timed 25-Foot Walk Test (T25FW), den Multiple Sclerosis Walking Scale-12-Fragebogen (MSWS-12-Fragebogen), den Short Maximum Speed Walk (SMSW) sowie eine Sturzevaluation. Die Reliabilität wurde mittels Berechnung des Intraklassenkorrelationskoeffizienten (ICC) wiederholter Messungen beurteilt. Ergebnisse: Patienten mit MS zeigten, verglichen mit gesunden Kontrollen, unter allen Standbedingungen signifikant größere Störungen der posturalen Kontrolle. Der geschlossene Stand präsentierte sich dabei als Testkondition mit der höchsten Reliabilität und Diskrimination zwischen Patienten mit MS und gesunden Kontrollen. Für den geschlossenen Stand mit geschlossenen Augen imponierten 36,7 % (mittlere dreidimensionale Winkelschwankungsgeschwindigkeit, MSV-3D) respektive 22,2 % (Roll-Deflection Range) der patientenseitig gemessenen Werte oberhalb der 95. Perzentile gesunder Kontrollen. Höhere MSV-3D- sowie Roll-Deflection Range-Werte korrelierten unter anderem mit reduzierter Gehgeschwindigkeit (p < 0,001), höheren EDSS-Werten (insbesondere für den cerebellären Funktionsscore, p < 0,001), einer höheren selbst berichteten Geheinschränkung (MSWS-12, p < 0,001) sowie einer erhöhten Sturzanzahl seit Erstdiagnose MS (p ≤ 0,003). Zusammenfassung: Die Kinect basierte statische Posturographie verspricht Potential hinsichtlich einer einfach durchzuführenden, objektiven, reliablen und validen Erfassung von Störungen der statischen posturalen Kontrolle bei Patienten mit MS. So konnte unter anderem gezeigt werden, dass die im Rahmen der Microsoft Kinect basierten statischen Posturographie erhobenen Messpa-rameter (MSV, Deflection Range) nicht nur stark mit in der klinischen Praxis angewandten gängigen Messinstrumenten (T25FW, MSWS-12) der posturalen Kontrolle korrelierten, sondern ebenso eine klinisch relevante Korrelation mit der Sturzhäufigkeit seit Erstdiagnose MS und der zukünftigen Sturzgefahr aufwiesen. Eine gestörte posturale Kontrolle scheint dabei insbesondere cerebelläre Signalwege zu involvieren mit Auswirkung auf das Maß der Gehbeeinträchtigung.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Mertens, Sebastian
Subjects
dc:subject × 4Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.17169/refubium-30638