Abstract
dc:description.abstractZu den Auswirkungen von atypischen Neuroleptika während der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind gab es bislang nur wenige Daten. In der vorliegenden Arbeit wurden 561 mit atypischen Neuroleptika exponierte Schwanger¬schaften ausgewertet (Studiengruppe), darunter Olanzapin (n=187), Quetiapin (n=185), Clozapin (n=73), Risperidon (n=64), Aripiprazol (n=60), Ziprasidon (n=37), Amisulprid (n=16) und Zotepin (n=2). Zum Vergleich wurde eine Gruppe ähnlich erkrankter Schwangerer unter einer Therapie mit typischen Neuroleptika gewählt (Vergleichs¬gruppe I; n=284). Eine weitere Vergleichsgruppe bildeten 1122 Schwanger-schaften ohne potenziell embryo- oder fetotoxische Exposition (Vergleichsgruppe II). Die Schwangerschaftsverlaufsdaten wurden prospektiv zwischen 1997 und 2009 im Rahmen der Risikoberatung des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums Berlin gesammelt. Die erste Hauptfragestellung galt den großen Fehlbildungen. Hierbei zeigte sich kein signifikanter Unterschied nach Exposition mit atypischen oder typischen Neuroleptika im 1. Trimenon der Schwangerschaft; mit 5,1% (Studiengruppe) und 4,2% (Vergleichs-gruppe I) lagen die Raten im Bereich des allgemeinen Basisrisikos von 2%–7%. Eine geringere, im unteren Bereich des allgemeinen Basisrisikos liegende Rate von 2,5% zeigte sich in der nicht exponierten Kontrollgruppe, der Unterschied im Vergleich zur Atypika-Kohorte war statistisch signifikant (adjustiertes OR=2,17; 95% KI 1,20–3,91). In einer Post-hoc-Analyse nach Organsystemen zeigte sich als einzig signifikanter organ-spezifischer Unterschied (OR=3,21; 95% KI 1,34–7,67) eine höhere Rate kardialer Fehlbildungen in der Studiengruppe im Vergleich zur nicht exponierten Kontrollgruppe (2,8% vs. 0,9%). Dieser Unterschied war aber möglicherweise Folge eines detection bias: Pränatal und postnatal könnte bei Kindern Neuroleptika-exponierter Risiko-schwangerschaften häufiger eine erweiterte Fehlbildungsdiagnostik durchgeführt wor-den sein als bei Kindern der nicht exponierten Kontrollgruppe. Die zweite Hauptfragestellung galt den neonatalen Anpassungsstörungen. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den bis zur Geburtswoche mit atypischen oder typischen Neuroleptika exponierten Neugeborenen. Mit 15,6% (Studiengruppe) und 21,6% (Vergleichsgruppe I) waren die Raten jedoch signifikant höher (Studien-gruppe adj. OR=6,24; KI 3,51–11,10; Vergleichsgruppe I adj. OR=5,03; KI 2,21–11,44) als in der nicht exponierten Kontrollgruppe (4,2%). Unter ZNS-aktiver Komedikation traten neonatale Anpassungsstörungen sogar bei etwa jedem dritten Neugeborenen auf (Studiengruppe 29,5%; Vergleichsgruppe I 36,4%). In den Nebenfragestellungen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den Neuro¬leptika-Kohorten und der nicht exponierten Kontrollgruppe bei der Rate elektiver Schwangerschaftsabbrüche (kumulative Inzidenzen: Studiengruppe 17%; Vergleichs-gruppe I 21%; Vergleichsgruppe II 3%) und der Frühgeburtlichkeit (Studiengruppe 9,2%; Vergleichsgruppe I 15,7%; Vergleichsgruppe II 8,7%). Die Unterschiede bei den Spontanaborten (kumulative Inzidenzen: Studiengruppe 24%; Vergleichsgruppe I 16%; Vergleichsgruppe II 20%) waren jedoch nicht signifikant. Das Geburtsgewicht Reifgeborener unterschied sich zwischen den drei Kohorten nur geringfügig, wobei Kinder der mit typischen Neuroleptika exponierten Mütter signifikant leichter waren als die der nicht exponierten Kontrollgruppe. Die Anzahl von Totgeburten und postpartalen Todesfällen war in allen Kohorten gering, ein substanzieller Unter-schied nicht erkennbar. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie unterstützen die bisherigen Empfehlungen, dass bei Therapienotwendigkeit atypische Neuroleptika ebenso akzeptabel erscheinen wie die älteren typischen Neuroleptika. Da auch die vorliegende Studie ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko – insbesondere kardiale Fehlbildungen – nicht ausschließen konnte, sollte nach Exposition im 1. Trimenon eine weiterführende Ultraschalldiagnostik mit besonderem Augenmerk auf die Entwicklung des Herzens empfohlen werden. Aufgrund des erhöhten Risikos für neonatale Anpassungsstörungen nach Anwendung von atypi-schen und typischen Neuroleptika am Ende der Schwangerschaft, insbesondere in Kombination mit anderen ZNS-aktiven Medikamenten, ist zur Überwachung und ggf. Behandlung des Neugeborenen die Entbindung in einer Klinik mit einer Neugeborenen- Intensivstation anzuraten.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Habermann, Frank
Subjects
dc:subject × 4Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.17169/refubium-7128