Freie Universität Berlin
Vergleichende theoriebasierte Analyse der Wirksamkeit und Sicherheit oral verabreichter Medikamente mit kurzer Halbwertszeit
Abstract
dc:description.abstractJedes eingenommene Medikament durchläuft im menschlichen Organismus pharmakologische Prozesse, die zu einer Wirkung führen. Dabei weist jedes Arzneimittel individuelle Eigenschaften auf, die diesen Wirkmechanismus beeinflussen. Medikamente mit geringer Halbwertszeit verlassen den Organismus demzufolge nach kurzer Zeit. Doch sind solche Substanzen trotz kurzer Aufenthaltsdauer im Körper, in der Lage ausreichend und sicher zu wirken, insbesondere bei nur einmaliger Applikation pro Tag? Besteht zudem eine Möglichkeit diese Wirkung und die im Blutplasma erreichten Wirkstoffkonzentrationen theoretisch zu ermitteln, ohne aufwendige Blutuntersuchungen durchführen zu müssen? Diese Zusammenhänge sollen mit einem entwickelten Modell zur Simulation von Wirkstoffkonzentrationsverläufen von Arzneimitteln geprüft werden. Dieses in Form eines Tabellenblatt (Microsoft Excel) vorliegende Modell ermöglicht, die Wirkung eines Medikamentes zu bewerten, indem dessen Wirkstoffkonzentration nach oraler Verabreichung im Blut berechnet und grafisch dargestellt wird. Dazu wurde ein Datensatz von 1023 Arzneimitteln bearbeitet, von denen 22 Medikamente die für eine Simulation notwendigen Kriterien erfüllten. Diese wurden simuliert, hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit analysiert und mit klinischen Studienergebnissen verglichen, um die Anwendbarkeit des Modells beurteilen zu können. Bei 18 der 22 analysierten Substanzen stimmten die simulierten Wirkstoffkonzentrationsverläufe mit den Ergebnissen durchgeführter Studien überein. Dadurch konnte den Medikamenten trotz kurzer Halbwertszeit eine ausreichende Wirkung nachgewiesen und die Aussagekraft des Modells positiv bewertet werden. Jedoch wurde festgestellt, dass es bei 11 dieser Arzneimittel bei spezifischen Patientengruppen zu einem nicht ausreichenden Effekt oder Nebenwirkungen durch Unter- oder Überschreitung des therapeutischen Bereiches kommen könnte. Hier wurden die Einnahmeschemata überarbeitet, um den Wirkeffekt zu optimieren. Bei vier der 22 Medikamente bestanden Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen der Simulation und Studien, wodurch Defizite des Modells offen gelegt werden konnten. Mit diesem Projekt wurde bewiesen, dass Medikamente trotz kurzer Halbwertszeit fähig sind, effektiv zu wirken. Der Effekt wird jedoch nicht ausschließlich durch die Eliminationszeit beeinflusst, sondern ebenso durch individuelle Patienteneigenschaften, die zu Wirkungsänderungen führen können. Die Dosisanpassung an diese Individualität findet im klinischen Alltag häufig keine Berücksichtigung, sondern erfolgt meist anhand der von den Pharmaherstellern empfohlenen Mengen und anschließender Beobachtung der Dosis-Wirkung-Beziehung. Eine Möglichkeit die Medikamentendosis auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen, bietet die Medikamentenspiegelbestimmung, die jedoch nur bei ausgewählten Medikamenten routiniert Anwendung findet. Das Simulationsmodell bietet in seiner aktuellen Form einen Ansatzpunkt, um die Wirkung und Sicherheit eines Medikamentes theoretisch abzuschätzen, obwohl Defizite hinsichtlich der Integration der individuellen Patienteneigenschaften bestehen. Durch Weiterentwicklung könnten genauere Simulationen möglich sein und das Modell als Hilfestellung bei der individuellen Dosisfindung dienen.
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Schröder, Nicole
Subjects
dc:subject × 3Rights
- Licence dc:rights.uri
- Language dc:language
- ger
Identifiers
dc:identifier.*- Identifier URI
- http://dx.doi.org/10.17169/refubium-2664