Universität Bielefeld
Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen am Beispiel der Pflegeberufe. Kritik einer Vergesellschaftung
Abstract
dc:description.abstract**Hintergrund:** Die Arbeitsmarktintegrationsbedarfe von Menschen mit Fluchtgeschichte und der Fachkräftemangel in den Pflegeberufen sind zwei rezente und bedeutende Sozialphänomene. Der Arbeitsmarkintegrationsprozess geflüchteter Menschen in den Arbeitsmarktsektor der beruflichen Pflege ist derzeit unzureichend erforscht. Zwar liegen zu unterschiedlichem Grade Daten- und Wissensbestände über das fluchtbedingte Zuzugsgeschehen, die rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen der Arbeitsmarktintegration im Allgemeinen sowie den personalbedarflichen Problemlagen der professionellen Pflege vor. Forschungsleistungen, die konkret die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter in die berufliche Pflege untersuchen, fehlen jedoch.<br /> **Zielsetzung:** Ziel ist es, den Arbeitsmarktintegrationsprozess Geflüchteter in die Pflegeberufe – verstanden als einen Prozess bürgerlicher Vergesellschaftung – theoriegeleitet wie empiriegestützt, zu erforschen und zur Darstellung zu bringen. Insbesondere soll gezeigt werden, wie unter Zugrundelegung materialistisch-dialektischer Gesellschaftstheorie sich das gesellschaftliche Verhältnis der Menschen und damit die Vergesellschaftung selbst vermittelt. Basis aller Betrachtungen bildet eine werttheoretische Reflexion der Marxschen Theorie sowie adhärente sozialphilosophische Zugänge, Analysen und Diagnosen des Westlichen Marxismus.<br /> **Methoden:** Die Arbeit ist mit sozialphilosophischer Erkenntnistheorie substantiiert, weshalb die Erforschung des interessierenden Vergesellschaftungsprozesses als sozialontologisches Phänomenon zum einen in sozialtheoretischer Hinsicht mittels kategorialer Gegenstandsdurchdringung über Begriffsarbeit angeleitet wird und zum anderen in empirischer Hinsicht über feldsensible gesampelte Experteninterviews erfolgte.<br /> **Ergebnisse:** Die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen in Deutschland ist als Vergesellschaftungsprozess von systemintegrativen, d.h. kapitalrationalen Zwängen bestimmt. Auf den ersten Blick ist die Arbeitsmarktintegration der Gruppe in den Arbeitsmarkt der Pflegeberufe in vielfältiger Weise dysfunktional, was u.a. auf einen nicht-symmetrierten Rechtsrahmen und paradoxale behördliche Handlungslogiken zurückzuführen ist. Allerdings kann gezeigt werden, dass der Immanenzzusammenhang dieser Phänomene hinabreicht bis in die basalen Antagonismen bürgerlicher Gesellschaftsverhältnisse, insbesondere der warenförmigen Zurichtung aller Lebensbereiche. Dennoch bleiben bei aller Verdinglichung ephemere Momente sozialintegrativer Kooperation individuellen und emanzipatorischen Charakters bestehen. Auf wissenschaftslogischer Ebene zeigt die Arbeit, wie ein gesundheitswissenschaftlich relevanter Sozialisationsprozess als forschungslogisch architektiertes Ganzes auf Basis materialistischer Gesellschaftstheorie untersucht werden kann. Darüber hinaus werden auf empirischer Ebene bestehende und verstreut vorliegende Wissensbestände zum Thema zielgerichtet arrondiert und neue Wissensbestände durch qualitative Forschung hinzugesetzt.<br /> **Fazit:** Durch die theoriegeleitete Analyse konnte das Untersuchungsfeld in seinen Erscheinungsformen und in seinem Wesen zur Darstellung gebracht werden. Die Vergesellschaftung vermittelt sich am Nukleus der bürgerlichen Lohnarbeitsgesellschaft. Die Integration der Ware Arbeitskraft, mit all ihren feldspezifischen Friktionen und Verwertungsproblemen, ist Movens und Agens dieses Prozesses, wenngleich aufgrund der rechtlichen Besonderungen sich die Integrationsperspektiven innerhalb der Gruppe sehr disparat ausnehmen und die verwertungsrationale Subjektivierung der Individuen zur Entstehung mehrerer De-facto-Subgruppen führt.
Degree
thesis:*- Level thesis:degree_level
- thesis.doctoral
- Grantor dc:publisher
- Universität Bielefeld
- Year
- 2025
Author and committee
dc:creator, dc:contributor.*- Author dc:creator
-
- Schmidt, Phillip Florian
Identifiers
dc:identifier.*- Repository record source_url
- https://pub.uni-bielefeld.de/record/3003675
- OAI identifier oai:identifier
- oai:pub.uni-bielefeld.de:3003675